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bi_in berlin

Published on Friday, 10. August 2007, 13:38.
About: bi biographie
Obwohl ich in Berlin nur zwei Jahre wohnte, mit meinen Eltern zusammen nur anderthalb Jahre, kann ich mich noch ein viele Ereignisse dort erinnern.
Ilse und ich hatten jeder ein eigenes Zimmer. Einmal nachts wachte ich auf mit einem großen Schreck, weil es draußen blitzte und donnerte und ich Angst hatte vor Gewittern. Aber es war nur ein großes Feuerwerk bei einer Veranstaltung am Funkturm, der gut anderthalb Kilometer von unserm Haus entfernt ist.
Als Neunjähriger hatte ich damals eine etwa 35 cm große ausgestopfte Stoffpuppe:den“Bibabo“, eine Harlekinfigur, die ich auch mit ins Bett nahm, um mich gegen Alpträume zu beschützen.
Unser Haus, ein Eckhaus an der Marathonallee, war 200 m von der U-bahnstation Neu Westend entfernt und ich fuhr gerne mit meiner Mutter zum Einkaufen zum
Wittenbergplatz ins KaDeWe, und wo man damals vom Haupteingang in einen großen Lichthof gelangte. Darin war in der Mitte ein Brunnen aus Mosaiksteinen, in den aus einer kleinen Röhre Oragensaft sprudelte. Aus kleinen Bechern konnte man davon trinken soviel man wollte.- Die Preußenallee hat in der Mitte einen breiten Grünstreifen, an beiden Seiten asphaltierte Autofahrbahnen und daneben breite Bürgersteige. Dienstags und freitags vormittag war auf unserer Straßenseite angefangen an unserem Eckhaus Wochenmarkt, etwa 500 meterlang. Die Stände waren auf dem Bürgersteig und gegenüber an dem Grünstreifen aufgebaut. Die Kunden konnten dann dazwischen entlangflanieren und auf beiden Seiten einkaufen. Natürlich war diese Straßenseite bis Mittag abgesperrt und die andere Fahrbahn für Gegenverkehr freigegeben. War es Bauern, die dort ihre frischen Erzeugnisse feil hielten, aber auch Bäcker, Fleischer und andere Händler. Sooft ich konnte, begleitete ich dort meine Mutter beim einkaufen. Da ich mehrmals die Klasse wechselte, hatte ich nur wenige feste Freunde. Oft spielten Ilse und ich mit zwei Brüdern in unserem Alter, Memi und Lulu . Der Vater war Rechtsanwalt und sie wohnten in der Nähe in einem großen Wohnhaus im zweiten Stock. Sie waren jüdisch, aber damals gab es ja noch nicht die hitlerische Judenverfolgung.
Die Villa in Berlin war viel großräumiger als unsere Wohnung in Danzig. Im Souterrain waren neben Heiz- und Vorratskeller auch die Garage für den Mercedes-Benz, den mein Vater damals hatte, eine kleine Wohnung für den Chauffeur und noch zwei weitere Wohnräume. Hinter der Haustür, zwei Stufen über Straßenebene war ein separates Treppenhaus. Eine Treppe abwärts führte zur Tür in den Souterrainflur, der auch durch eine außen eingebaute Treppe zu erreichen war. Von der Haustür eine Treppe aufwärts war die Eingangstür zur Hochparterrewohnung. Nach einem kleinen Flur mit Toilette war auf der Gartenseite ein kleines Empfangzimmer und dahinter das große Wohnzimmer mit Halbrundvorbau und Panoramafenstern zum Garten. In dem großen Eckzimmer daneben hatte mein Vater ein Alt-Danziger Herrenzimmer mit kunstvollen Schnitzereien aus schwarz gebeiztem Eichenholz (schwere antike Möbel) einrichten lassen. Hinter einer breiten Glastür führte draußen eine 12 stufige, sich nach unten stark verbreiternde Steintreppe mit seitlichen Begrenzungsmauern in den Garten. Auf der Straßenseite der Hochparterrewohnung befand sich hinter der Wohnungstür die Küche mit Nebenräumen, dann ein großes Esszimmer, ein Eckzimmer und zwischen diesem und dem Herrenzimmer an der Außenwand ein Wintergarten, darüber ein großer Balkon im ersten Stock, in dessen Vorderhälfte das Büro untergebracht war. Zwischen Büro und Balkon lagen unsere Familienschlafräume: Elternschlafzimmer, Bad, Ankleideraum, Schrankraum und zwei Kinderzimmer für Ilse und mich. Als Zugang zu unserer „Schlafzimmeretage“ hat meinen Vater in seinem Herrenzimmer eine Wendeltreppe in den oberen Schlafzimmerflur einbauen lassen. Sie war ebenfalls aus schwarz gebeiztem Eichenholz im Alt-Danziger Stil geschnitzt.-Lulu und Memi, mit dunklen Augen und schwarzen Haaren, waren lustige lebhafte kleine deutsche Kinder genau wie Ilse und ich. Nach unserem Wegzug aus Berlin riss der Kontakt ab und wir haben nie wieder etwas von Ihnen gehört.- An den beiden Straßenseiten waren das Grundstück solide eingezäunt: eine kniehohe Sockelmauer aus weißen Sandsteinblöcken, alle 2 m darauf ein viereckiger Pfeiler aus gleichem Material gemauert, etwa mannshoch, mit Messingblech abgedeckt.Zwischen den Pfeilern war ein Zaun aus dunkelbraun lackierten viereckigen Stahlstangen eingemauert. Dicht hinter dem Zaun stand eine gleichhohe Eichenhecke. Die Nachbargrundstücke waren mit einem Maschendrahtzaun abgegrenzt.- Der Heizungskeller lag unter dem im Hochparterre gelegenen Wohnzimmer und hatte eine mit Koks befeuerte Warmwasserzentralheizung. In der Außenwand war eine große Ladeluke, durch den im Herbst die Speditionsarbeiter aus großen Jutesäcken den Koks in den Heizkeller schütteten. Die Hausmeisterfamilie Kaufmann, mit denen meine Eltern gut befreundet waren, wohnten im Parterre eines großen Nachbar-Wohnhauses. Sie bedienten bei uns die Zentralheizung, mähten den Rasen und gibt den im Wind der Schnee. Meine Eltern hielten bis zuletzt selber das große Treppenhaus sauber. Frau K. betreute und bekochte mich auch, als ich alleine im Mansardenzimmer wohnte und die Sexta der Waldschule besuchte.

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