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bi_mein bester freund

Published on Thursday, 23. August 2007, 14:32.
About: bi biographie, freischar, polen
In Neu Bentschen hatten wir ein kleines Mansarden Zimmer, wo wir im Winter unsere Heimabende abhielten. An einem Dezemberabend 1935 trat der Dorfpolizist ein, beschlagnahmte unsere Gruppen-Utensilien und befahl uns, in die Hitler Jugend einzutreten. Noch im Sommer 1936 machten wir in Freischar-Kluft (blaues Hemd, Halstuch und Knoten) unsere Wochenend-Fahrten zu den Obraseen. Diese langgestreckte Seenkette, verbunden durch den kleinen Obra-Fluss, verlief etwa 100 Kilometer weit in Nord-Süd Richtung östlich von Neu Bentschen.-
Am Ende des Tuchalla-Sees liegt das kleine Dorf Wojnowo. Dort hatte das Fürstenhaus zu Lippe-Biesterfeld ein einfaches Landschloß. Heute ist in den Gebäuden eine polnische Oberschule mit Internat untergebracht. Prinz Bernhard Leopold, 10 Jahre älter als ich, war in den Sommermonaten oft dort. An kalten Winter Sonntagen, wenn die Seen zugefroren waren, fuhren wir mit dem Rad zum Tuchallasee und liefen kilometerweiter Schlittschuh auf den langgezogenen Seen. Dann kamen wir dicht an dem Landschloß vorbei, aber den Prinzen habe ich natürlich nie gesehen. Man sagte , er sei Hitler-begeistert und SA-Mitglied. Später heiratete er Prinzessin Juliane der Niederlande. -
Am nächsten von uns lag der Bentschener See. Er ist auch der größte der Obraseen. Während die deutsch-polnische Grenze meistens mitten durch die Obra und die Seen ging, war hier ein 3 m breiter Streifen westlich des Seeufers noch polnisch. Deshalb fuhren wir nur an heißen Sommer- nachmittagen dorthin zum Baden, mußten dann aber scharf aufpassen, nicht von unseren „Feinden“, den polnischen Grenzsoldaten , die gelegentlich auf dem Streifen entlang patrouillierten, erwischt zu werden.-
Einer meiner besten Freunde war unser Heizer
Jakub Jokiel, 18 Jahre älter als ich. Er wohnte auf seinem Bauernhof in Groß Dammer. Besonders im Winter ging ich gerne in sein Kesselhaus um mich aufzuwärmen und mit ihm zu unterhalten. Seine Muttersprache war polnisch, aber er konnte genau so gut deutsch sprechen wie ich, da er es auf der Schule gelernt hatte. Er hatte auch seinen dreijährigen Wehrdienst als deutscher Soldat gemacht, war aber im Krieg nicht mehr eingezogen worden, da er in einem „Kriegswichtigen Betrieb“ arbeitete. 1934 hatte Hitler angefangenen, auf einem in Nordsüd-Richtung ver- laufenden Höhenzug, etwa 15 km nördlich, einen Ostwall zu bauen. Da das Sägewerk meines Vaters für die Stellungen viel Holz lieferte, wurde sein Betrieb als kriegswichtig eingestuft. Heute sind die verlassenen Anlagen und Tunnels, die von vielen Fledermäusen und anderen Tieren bewohnt werden, für Touristen freigegeben. Jakob war gerade frisch verheiratet und seine älteste Tochter Celina wurde noch im Krieg geboren. Sie war später mit Dominik Manja verheiratet und erbte den Bauernhof von ihrem Vater.
1974 machte ich nach dem Krieg zum ersten Mal wieder eine Autoreise nach Polen mit meinen vier ältesten Kindern und wir besuchten die Familie auf ihrem Hof.
Seitdem fahre ich jedes Jahr wieder ein bis zweimal nach Polen in die alte Heimat.
- Mein Vater konnte gut polnisch sprechen, was er wohl schon als Junge in seiner Heimat gelernt hat, und später auch schreiben, da er es für sein Geschäft benötigte. Leider haben wir beiden Kinder es nie gelernt, da wir es nicht nötig hat denn, was ich noch heut bedaure. Nach dem Polen Feldzug richtete mein Vater eine Geschäfts Filiale in Radom ein ,einer größeren Stadt 80 km südlich von Warschau. Ein polnischer Freund aus Wollstein,Herr Musiol, leitete dort das Sägewerk. Zweimal nahm mich mein Vater auch auf einer längeren Geschäftsreise mit dem Auto nach Warschau und Lublin mit. In Warschau gab außer dem Sowjet-Hochhaus, das damals noch im Bau war, keine Wolkenkratzer. In Lublin kann ich mich noch gut an das große jüdische Getto erinnern mit der Synagoge und den vielen engen winkligen Gassen.- In Neu Bentschen
gab es manchmal Umzüge der SA, aber sonst keine Demonstrationen. Wir hatten auch weder Kommunisten noch jüdische Mitbürger.-

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