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---BI.--3. Chinareise 86, 2. Teil

Am Montag, den 10. November, startete die für unsere Reisegruppe vorgesehene mehrtägige Radtour.
Zuerst fuhr uns ein Bus zu einem kleinen Ort etwa 25 Kilometer außerhalb des Stadtgebietes. Dort wurden die Fahrräder in einer Reparatur-und Verleih-Station an uns verteilt, einfache chinesische Rennräder.
Weiter ging es in westlicher Richtung auf der Landstraße in der großen Ebene südlich des Jangtse Flusses zu einem kleinen Ort an einem See, die Radl auf einen großen Anhänger am Bus geladen.
Dort wurden wir in einem kleinen Hotel am See einquartiert und machten nach dem Mittagessen eine 18 km Probefahrt auf unseren Rädern.
Fast alle Teilnehmer unsere Reisegruppe waren jünger und kräftiger als ich, aber wenn ich mal etwas zurück blieb, warteten sie und versuchten auch, mir durch "Schiebung" zu helfen.
Ich machte dann auch nochmal eine kleine Solofahrt, um mich an mein Radl zu gewöhnen.
Die meisten Straßen in China, die ich damals kennen lernte, waren gut asphaltiert, allerdings so schmal, dass höchstens zwei kleine Pkw aneinander vorbeikommen konnten, und die meisten Verkehrsteilnehmer außer Fußgängern waren Radfahrer, nur wenige Lastwagen, selten mal eine Funktionärs-Limousine mit verdunkelten Seitenscheiben.-

Nach dem Abendbrot konnte ich in der Badestube des Hotels noch ein heißes Bad nehmen.-

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück machten wir eine Dampferfahrt zu einer Felseninsel im See.
Wir wanderten auf dem Strand am Steilufer entlang zu einem Pharo-Tempel, stiegen dann die Treppen hinauf auf einen Aussichtspunkt auf der höchsten Felsspitze.
Dann fuhren wir im Dampfer zur Hafenstadt Jiaying, wo unser Bus mit Radlanhänger schon wartete, uns in die Stadt Suzhou transportierte und wir in einem Restaurant Mittag aßen.
Danach besichtigten wir eine Tonfiguren-Werkstatt und wanderten durch den großen Stein- Garten weiter in die Innenstadt, wo wir in einem Kaufhaus Seidenstoffe kaufen konnten, umgerechnet viel billiger als in Deutschland.
In einem großen Fahrrad-Geschäft konnten wir unsere Räder umtauschen, wenn wir wollten.
Aber ich hatte mich an meins gewöhnt und behielt es. Dann fuhr uns der Bus in ein Gästehaus, ähnlich einer Jugendherberge.

Am Mittwoch, den 12. November, nach dem Frühstück fuhr uns der Bus etwa 20 Kilometer weit, dann luden wir unsere Räder aus dem Hänger und starteten zu unserer ersten 42 km Gruppentour.
Alles klappte beinahe planmäßig (die Geschwindigkeit richtet sich nach dem langsamsten Gefährt des Konvois, aber da wurde durch Schiebung kräftig nachgeholfen) und wir erreichten um 12:30 Uhr das Gästehaus in Yixing.
Um 13:30 Uhr gabs Mittag und um 15:00 Uhr fuhr uns der Bus in eine Töpfereistadt, wo wir die große Ausstellung besichtigten, ebenso den Hafen und den Markt der Stadt. Um 19:00 Uhr fuhr uns der Bus zurück in unser Gästehaus.

Am Donnerstag, den 13. November, regnete es morgens und so fuhr uns der Bus gleich in unser nächstes Gästehaus in Changzhou. Als am Vormittag der Regen aufhörte, radelte ich alleine zu einem Kaufhaus, um mir einen gepolsterten Sattel-Überzug zu besorgen.
Mit Zeichensprache und Englisch Kauderwelsch ging das ganz gut.
Nach dem Mittagessen fuhr uns der Bus zu einem alten Krankenhaus, in dem die Patienten nach der traditionellen chinesischen Medizin behandelt wurden, wo wir in kleinen Gruppen durch die Krankensäle und Behandlungszimmer geführt wurden, was hochinteressant war.
Dann wanderten wir durch einen großen Markt-Platz mit vielen Verkaufsständen und zu einer alten Brücke am Kaiser-Kanal.
Nach dem Abendessen im Gästehaus spielten wir dort ein altes chinesisches Figurenspiel.

Am Freitag, den 14. November, fuhr uns unser Bus mit Fahrradanhänger gleich morgens nach Zhenjiang, wo wir um 10:00 Uhr im Jianshen-Hotel einquartiert wurden.
Nach dem Mittagessen fuhr uns der Bus zum Hafen.
Dort per Motorboot zur Jinshan-Insel, wo wir Turm, Fort und Tempel besichtigten.
Zurück in der Stadt liefen wir durch die Alte Gasse, ins Museum (Burdish-Haus).
Im Hotel ein heißes Bad und nach dem Abendessen machte ich allein einen Spaziergang über die Stadtpromenade.

Am Sonnabend Vormittag Fahrt im Bus zur großen Pagode im Park. Danach wieder eine 2 stündige Radtour der ganzen Gruppe bis zu einer Radfähre über den Fluss und weiter radeln nach Yangzhou.
Kurz vor der Stadt hätte ich den Anschluss an unsere Gruppe verloren, aber dank einer guten Skizze, die wir am morgigen erhalten hatten, fand ich schnell unser Hotel und war rechtzeitig im Speisesaal um 18:15 Uhr zum Abendessen mit den anderen.

Am Sonntag, den 16. November, war herrlicher Sonnenschein und ich genoss die letzte 50 km Etappe unserer Tour de China. Irgedwann hatte ich auch unseren Trupp verloren und radelte mein eigenes Tempo auf der Straße nach Nanking durch die weite Ebene mit Feldern und Wiesen, kleine Ortschaften und Häuser am Straßenrand oder in der flachen Landschaft mit Hecken und Sträuchern aber wenig Bäumen.
Ich begegnete Menschen, meist in der einfachen Mao Kleidung mit chinesischen Sonnen- hüten, denen ich zuwinkte, aber mich nicht mit ihnen unterhalten konnte.
Einmal fuhr ich an einer kleinen Scheune am Straßenrand vorbei, vor der ein großer Strohhaufen lag.
Darunter guckte am Rande eine menschliche Hand hervor. Ich traute mich nicht, anzuhalten und nach-
zusehen, da ich glaubte, sie gehörte zu einem Toten. Später hörte ich, dass sich alte Leute oft zum Schlafen unter einen Strohhaufen legen.-
Wir hatten uns verabredet, uns an der großen Brücke am Stadteingang zu treffen. Ich war Erster und so wartete ich ein Weilchen, bis auch alle anderen eintrafen, die unterwegs Picknick gemacht hatten.
Dann fuhren wir zu unserem Hotel und nach einem guten Abendessen und einem heißen Bad schlief ich den Schlaf des Gerechten.-

Am nächsten Morgen beklagten einige von uns, dass unsere Radfahrerstunden durch zwei Regentage zu kurz gekommen sind. Daraufhin wurden uns noch zwei Radtouren angeboten, eine 28 km und die andere 37 km lang. Ich entschied mich für die kürzere, auf der ich besser mein Bummeltempo und den Zeitplan einhalten konnte. Danach gabs im Hotel Mittagessen und nachmittags fuhren wir im Bus aufs Land zur Besichtigung einer großen Teeplantage und anschließend zu einer Seidenraupenzucht, danach zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen, Dienstag den 18. November, fuhr uns der Bus zum Hauptbahnhof und mit der Bahn ging es zurück nach Shanghai. Dort fuhren wir per Bus in ein Restaurant zum Mittagessen und danach ins Hotel.
Von dort gingen wir am Bund spazieren und ich ließ mir bei einem Friseur die Haare schneiden, was zum heutigen Kurs umgerechnet knapp zwei Euro kostete, ganz schön billig für diese Weltstadt.
Aber auch chinesische Seide war preislich sehr günstig und nach einem Spaziergang durch die Altstadt besorgte ich mehrere Meter Kleider-Stoff als Mitbringsel für meine Damen. Nach dem Abendessen im Hotel sahen wir noch eine Theatervorstellung des Bettelstudenten.
Am nächsten Morgen Besuch eines Krankenhauses und eines Kindergartens. Um 12:00 Uhr Mittagessen in einem Restaurant. Danach Bus zum Flughafen und um 15:45 Uhr Abflug in einem Airbus 310 , um 18:00 Uhr Landung in Kanton. Nach dem Essen in einem Restaurant Einquartierung im Dong Fang Hotel.

Am Donnerstag den 20. November morgens Bus zum Ahnen-Tempel , dann zum historischen White Swan Hotel und zum Freimarkt, wo es auf vielen hundert Ständen tausende von exotischen chinesischen Nahrungs- und Heilmitteln, Meerestiere und -Früchte zu kaufen gab.
Nach kleinem Imbiss in einem Markt-Restaurant Bus zum Hafen, wo wir nach der Zollkontrolle in einem Personenhydrofoilboot (Wassergleitboot mit Luftpropellervortrieb)
um 14:00 Uhr durch die Perl River Mündung nach Hongkong fuhren. 17:30 Uhr Ankünft in Kowloon Hafen. Bus zum Bismarck Fang Hotel. Um 20:00 Uhr fuhr ich alleine mit der Star Ferry hinüber auf die Insel Kowloon, wo ich mit dem Doppeldeckerbus ganz vorne auf dem Oberdeck gleich hinter der großen Aussichtsscheibe die ganze Strecke bis Sau Ki Wan und zurück zum Fährhafen fuhr.
Auf meinen beiden vorherigen Chinareisen war ich ja schon in Hongkong, also "ortskundig" und das war meine Lieblings-Tour dort.
Mit der Fähre zurück ins Hotel nach Kowloon, noch schnell zur Pizzeria und um 23:00 Uhr ins Bett.-

Am nächsten Morgen eine Sampoonfahrt nach Aberdeen und um die ganze Insel Hongkong zurück nach Kowloon. Mittagessen im Hotel.
Dann fuhr ich wieder solo mit Tram und Fähre auf die Insel Lantau, wo damals schon die ersten Bauarbeiten für den neuen Großflughafen nebst einem Autodamm durch die Meerenge nach Hongkong begannen, wo aber noch nicht viel von diesem Riesen-Vorhaben zu sehen war.
Also schnell zurück ins Hotel, denn um 17:30 Uhr ging der Bus zum Flughafen, wo wir nach der Zollkontrolle 19:30 Uhr mit einer TG 607 abflogen nach Bangkok.
Dort Ankunft um 21:30 Uhr und Bus ins Narai Hotel.-

Am nächsten Morgen, Samstag , dem 22. November, ging es nach einem guten Büffet-Frühstück um 9:00 Uhr im Bus zum alten Stadtkern am Menam Fluss, der stellenweise noch von einer Mauer umgeben war, mit seinen großen Tempelanlagen, buddhistischen Klöstern, Regierungs- Palästen, Gärten, Pagoden und auch Hochhäusern. Wir schauten uns viele der prächtigen Gebäude von außen an und fuhren dann auch zum Sommerpalast des Königs im Norden der Stadt. Um 13:00 Uhr fuhren wir mit dem Bus zurück ins Hotel zum Mittagessen, danach auf den berühmten "schwimmenden Markt", zum Teil auf dem Menam. Nach dem Herumbummeln war es noch warm genug zu einem kurzen Schwimmbad im Fluß. Nach dem Abendessen im Hotel machte ich noch einen Spaziergang am Kanal und um 20:00 Uhr fuhr uns der Bus zum Flughafen.-
Um 22:45 Uhr ab Bangkok in einem Jumbo Jet Nachtflug nach Frankfurt/M.
Landung am Sonntag,d.23.11. um 8:20 Uhr. Um 8.45 Uhr Abschiednehmen unserer Reisegruppe. Um 9 Uhr Heimfahrt im Auto und um 11:00 Uhr war ich wieder zu Hause.-------

---BI.--3. Chinareise 86

Am 17. September 1986 flog ich noch einmal für 2 Wochen nach USA, um Ilse und Bill zu besuchen.
Damals war Bill nach seinem Schlaganfall schon in einem Genesungsheim in der Nähe, wo wir ihn mit dem Ford Pinto fast jeden Tag besuchten.
Allerdings fuhren Ilse und ich während meines Aufenthaltes im Pinto auch für drei Tage nach Brookings und für vier Tage nach Vancouver B.C. , bevor ich wieder heim flog. --

Nach einer zwei- und einer dreitägigen Autofahrt durch Nord- und Westdeutschland zum Besuch von Freunden und Verwandten startete ich am Freitag, d. 31. Oktober 86 zu meiner 3. China-Reise;
vormittags um 8:10 Uhr mit einer 20köpfigen Touristengruppe von Meyers Weltreisen.
Diesmal flogen wir von Frankfurt über Paris, wo uns nach einem guten Mittagessen unsere deutsche Reiseleiterin, eine ältere Dame (Lehrerin) vorgestellt wurde und wir um 16:40 Uhr in einer Boeing 747 über Nacht 14 Stunden nonstop nach Neu Delhi weiterflogen.
Dort hatten wir einen Tag Zwischenaufenthalt zu einer Busrundfahrt durch die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten. Danach wurden wir in ein gutes Hotel gefahren, und nach dem Abendessen wurde uns noch ein Feuerwerk geboten . Am nächsten Morgen um 5:30 Uhr frühstücken, 6:30 Uhr Bus zum Flughafen und in einem Jumbo Jet direkt nach Peking.
Bei herrlichem Sonnenschein flogen wir parallel zum Himalaja Gebirge nach Osten und konnten am Horizont im Norden die schneebedeckten Sieben- und Acht-Tausender Gipfel klar erkennen.
Nach Ankunft in Peking am Nachmittag wurden wir gleich in ein Touristenhotel in einem Vorort gefahren, wo wir in unsere Doppelzimmer eingewiesen wurden, Geld wechseln konnten und Informationen von unseren örtlichen Reiseführern, meist Studenten, die gut Englisch sprachen , einige radebrechten auch ein wenig deutsch, über unser Besuchsprogramm in den nächsten Tagen erhielten, das ich in meinen beiden vorherigen Reisen schon ähnlich mitgemacht hatte.
Also am nächsten Morgen, Montag,d. 3. November, nach Himmelstempel , großer Platz des himmlischen Friedens, verbotene Stadt und so weiter.
Mittagessen in einem Restaurant, danach Busfahrt zur großen Mauer.
Vom Bus Parkplatz musste man noch ein Stück laufen.
Ein Chinese mit einem klobigen Motorrad mit Beiwagen , wie sie unsere Kradmelder im Krieg benutzten, grün lackiert, chinesische Produktion, lud mich mit ein paar englischen Brocken in seinen Beiwagen ein und fuhr mich direkt bis an die Mauer. Ein sehr netter Erlebnis für mich, da ich noch nie in einem Beiwagen gesessen hatte. Im Krieg wurden damit meist nur Offiziere herumgefahren. Und ein Beweis der chinesischen Gastfreundlichkeit.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück fuhren wir im Bus zum Flughafen, wo wir erst einmal zwei Stunden warten müssen, da wegen starken Nebels den Flugzeugen keine Starterlaubnis erteilt wurde.
Dann ging es mit einem Tupulev Jet nach Xian.
Dort Mittagessen in einem Restaurant in der Stadt, dann Bus zum Hotel und im großen Haus der Partei eine chinesische Theater-Vorführung.-
Am nächsten Morgen, Mittwoch den 5. November, per Bus zur Besichtigung der berühmten Terrakotta-Armee in den Ausgrabungs-Hallen.
Mittagessen in einem Restaurant, dann Busfahrt zur Wildgans-Pagode.
Diese turmartigen Tempelbauten, meist aus Holz oder Stein, sieben bis 13 Stockwerke hoch, besuchte ich gern, vor allem da man von den oberen Stockwerken aus meist eine gute Fernsicht hat.
Nach einer Busrundfahrt durch die Stadt und zum Glockenturm.
Nachmittag-Flug in einer Propellermaschine nach Guilin. Die Stadt liegt am Kueikiang Fluss in einem weiten Tal mit subtropischer Vegetation, inmitten abenteuerlich geformter Turmkarstfelsen, viele 30-40 Meter hoch mit nur 5-10 m Durchmesser aus der flachen Landschaft hochragend.
Wir übernachteten in einem kleinen Hotel und machten am nächsten Morgen bei schönstem Sonnenschein eine mehrstündige Dampferfahrt im Fluss durch diese spektakuläre Landschaft mit vielen Seen, in denen sich die Felsentürme widerspiegelten.
Dann nach Besuch der großen Moschee und am Nachmittag Flug in einer zweimotorigen Propellermaschine nach Shanghai.
Dort Unterbringung in einem guten Hotel und am Freitag, den siebenten November, Besichtigung der Altstadt, chinesische Gärten und Spaziergang über den Bund.
Nach dem Mittagessen in einem modernen Katamaranpassagierschiff auf dem in der Stadt 400 bis 800 m breiten Huangpu bis hinaus auf die dort viele Kilometer breite Yangtse Mündung, wo durch das weit verzweigte Delta FrachtDampfer jeder Größe in den riesigen Überseehafen und weiter flussaufwärts bis nach Nanking fahren.
Durch ein Unwetter mit Regensturm und hohem Wellengang geriet unsere 3 ½ - stündige Fahrt zu einer richtigen Seereise.
Wieder an Land, ging es zum großen Freundschaftshaus, wo nach dem Abendessen eine Acrobatenschau gezeigt wurde.
Am Sonnabend, den 8. November, um 9:00 Uhr per Bus zum Jade Tempel. Dann zur Nanking Road und ins historische Konsular -Viertel der Westmächte. (Germans to the front-im Opiumskrieg 1840-42).-
Nach dem Mittagessen in einem Restaurant Besichtigung einer.Seiden-Spinnerei. Um 17:00 Uhr wurden wir ins Nan Liu Hotel gefahren. Dort um 18:00 Uhr Supper und um 21:00 Uhr ein schöner Spaziergang ums Carre.-
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück zum Garten der Verweilens, Besuch einer chinesischen Apotheke.
Nach dem Mittagessen ins Jademuseum, Besuch einer Seiden-Stickerei, einer Pagode und eines Buddha-Tempels.-

bi_in china unterwegs

Von Peking fuhren wir mit der Bahn nach Wuhan.
Ein Tag Stadtbesichtigung, dann wurden wir in einen Flußdampfer eingeschifft.
Für die tagelangen Reisen gab es auf dem Schiff 2-Bett-Einheitskabinen. Ich teilte eine mit Monika.
Aber wir schliefen nur zwei Nächte darin.
Denn in Yichang vor dem großen Staudammbau endete unsere Fahrt, da die neue Schiffsschleuse nicht rechtzeitig betriebsbereit war.
Also legten wir im Hafen an und verließen unseren Dampfer.
Vom Kai in die Stadt führte eine lange steile Treppe, denn dort wurde die Gegend schon gebirgig.
Wir hatten etwas Zeit, bis unsere Weiterreise neu organisiert war, und wir lungerten in den Straßen herum. Eine Gruppe mit jungen Leuten bat ich in Kauderwelsch-Englisch, mir eins ihrer Radl für eine kurze Probefahrt zu leihen. Sie halfen mir auch, den Sitz für meine Größe einzustellen und waren erstaunt und amüsiert, dass ich fast genau so gut radeln konnte wie sie.
Nach zwei Stunden wurden wir dann mit einem Bus zum Flugplatz gefahren und mit einem Flieger nach Chongking gebracht.
Dort staunte ich über das Verkehrs-Gewimmel in den engen steilen Gassen der Gebirgs-Großstadt, obwohl es damals dort noch kaum Autos gab.
Nach Stadtbesichtigung fuhren wir mit der Bahn weiter nach Chengdu und von dort nach Xian und zur berühmten Terrakotta-Armee des Kaisers Ying Zheng . -
Weiter mit dem Flieger nach Changda, wo wir einen Tag lang im Zentrum der Millionenstadt mit ihren Einkaufsstraßen, in denen sich die kleinen Läden aneinander reihten, herumliefen in den Menschen- und Fahrradmassen .
Dann nach Guilin, wo wir auf dem Fluß im breiten Tal mit subtropischer Flora und den eigenartigen natürlichen wolkenkratzer-hohen Felstürmen und malerischen Dörfern am Ufer eine eintägige Dampferfahrt machten.
Danach in Kanton Stadtbesichtigung mit den exotischen Marktständen in der Innenstadt.
Wir aßen in einem großen Restaurant Mittag, als plötzlich ein fürchterliches Geknalle anfing. Wir bekamen einen Schreck und fürchteten schon eine Schießerei.
Aber man beruhigte uns schnell, dass da nur eine große Hochzeit gefeiert wurde mit Böllern und Raketen, wie das in China üblich ist.

Nach zwei Tagen fuhren wir mit der Bahn nach Hongkong, das damals noch britisches Hoheitsgebiet war.
Die Grenzkontrolle ging auf beiden Seiten reibungslos.
Wo heute die Riesenstadt Shenzen steht, lagen damals nur ein paar verlassene Bauerndörfer.
In Hongkong blieben wir noch drei Tage, bevor wir mit dem Flugzeug nachhause flogen.
Wir wohnten in einem großen Hotel und bekamen bei unseren Besichtigungstouren, darunter auch eine Dampferfahrt um die Insel und durch den Hafen, einen Eindruck vom globalen Handel und Wandel in dieser britisch-chinesischen Metropole, aber auch von den beengten Lebensverhältnissen der vielen chinesischen Zuwanderer, die gleich neben der glitzernden Handelsstadt in eigens für sie gebauten bienenwabenartigen Wohnhochhäusern mit großen Familien in Mini-Apartments leben.----

bi_mit der transsib nach china 1981

Am Abend bestiegen wir dann die Transsib Eisenbahn. Unsere Gruppe hatte einen D-Zug Waggon für sich, in dem die Sitze nachts in Schlafkojen umgewandelt werden konnten.
Jeder Waggon hatte seinen eigenen Schaffner doch, der im ersten Abteil seinen Dienstsitz hatte, wo dauernd der Samowar lief und man jederzeit eine Tasse Tee trinken konnte.
Der Waggonschaffner rüstete auch morgens und abends jedes Abteil um in Feldbett beziehungsweise Sitzbank.
Zu den Mahlzeiten morgens mittags und abends wandelten wir durch die D-Zuggänge zum Speisewagen in der Mitte des Zuges, wo russische Küche serviert wurde, auch wasserglasweise Wodka, falls gewünscht.
Wir reisten auf dieser Fahrt im vorletzten Waggon, sodaß ich es nicht weit hatte zu meinem Lieblingsplatz am Schluss des Zuges.
Die Endtür im letzten Waggon war natürlich verschlossen, aber hatte ein mannshohes Fenster und an jeder Seite daneben noch ein kleineres mit einem Klappsitz.
Dort konnte ich die vorbeifliegende Landschaft zu beiden Seiten und dazwischen die durchrasenden Geleise beobachten, am schönsten bei Sonnen- untergang.
An jeder größeren Station war 20 bis 30 Minuten Aufenthalt.
Wir konnten auf dem Bahnsteig am Zug entlang auf und ab laufen, manche joggten.
Oft warteten dort Bauern oder sonstige Verkäufer mit ihren kleinen Karren, um den Passagieren ihre Waren anzubieten. Mehrmals am Tag wurde die Lokomotive ausgewechselt. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit war schätzungsweise 70 bis 80 km/h.
Die tagelange Fahrt durch Sibirien bleibt mir unvergesslich. Besonders den Sonnenaufgang jeden Morgen in der weiten Landschaft habe ich nie verpasst.
In Irkutsk hatten wir einige Stunden Aufenthalt zu einer kurzen Busfahrt durch die Stadt.
Dann ging es weiter um den Baikal-See herum Richtung Wladiwostok über Ulan Ude nach Karymskoje.
Dort wurden die letzten fünf Waggons abgehängt und wir fuhren über Borzja zur chinesischen Grenze in der Mandschurei.
An der Grenzstation war zwei Stunden Aufenthalt zum Achswechsel unter den Waggons wegen der schmaleren chinesischen Spurbreite.

An einem sonnigen Morgen fuhren wir dann mit einer neuen chinesischen Dampflokomotive, die mit Fähnchen und Girlanden geschmückt war, in den Grenzbahnhof Manzhuli ein, wo wir Touristengruppen von einem Empfangs-Komitee und einer Kapelle mit Musik begrüßt wurden.
Weiter ging es über Harbin und Changchun zur Eisenbahn-Endstation in Peking.
Dort verbrachten wir einige Tage mit der Besichtigung beziehungsweise Führung durch alle Sehenswürdigkeiten. Auf den Straßen zur Großen Mauer.
Dort wurde ich auch zu einer Probefahrt mit einem Motorrad mit Beiwagen eingeladen.
Diese schweren robusten Maschinen, grün gestrichen, in China am Band produziert, waren damals beliebtes Vehikel von Motor-Fans, bevor dort die Auto-Welle begann.

In Peking wurde unsere Gruppe zu einem Meeting mit Partei-Funktionären geladen, die sich über unsere Eindrücke informieren wollten, das im achten Stock eines Hotels statt- fand.
Einer von Ihnen, etwas jünger als ich und von etwas kleinerer Statur, mit einem schrecklichen Stoppelbart, fuhr mit mir allein in einer der engen Fahrstuhlkabinen hoch. Sofort bei Fahrbeginn stürzte er auf mich zu, umarmte mich, und küsste mich wie wild ins Gesicht.
Ich kriegte einen fürchterlichen Schreck, und versuchte ihn abzuwehren und zurückzustoßen, was mir letztlich auch gelang. Ich sprach zu keinem Menschen von dem Vorgang, denn mir fiel ein, dass es auch in China Homosexuelle gibt.-