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bi_tour durch die ddr

Am Donnerstag, den 14. August 86, fuhr ich auf der A 9 nach der Grenzkontrolle von 6.30 bis 16:45 Uhr weiter Richtung Berlin.-
Ich hatte gerade mein Sechs-Tagevisum für eine private Individual-Reise durch die DDR, was erst jetzt von Honecker genehmigt worden war, bekommen.
Um es möglichst voll ausnutzen zu können, war ich schon am Abend vorher zum Rasthof Hirschberg gefahren und hatte dort auf dem Parkplatz im Auto geschlafen.
In Schleiz verließ ich die Autobahn und fuhr auf der Landstraße nach Zeulenroda, wo ich erstmal auftankte, da Diesel in der DDR billiger war als in Westdeutschland.
Dann weiter über Ronneburg und Altenburg nach Naunhof, wo meine Eltern und meine Schwester, wie sie es mir erzählt hatte, nach ihrer Flucht aus Neu Bentschen Ende Januar 45 fast ein halbes Jahr in einem kleinen Bürohäuschen auf dem Sägewerksplatz eines Geschäftsfreundes gewohnt hatten. Zwar waren Sägewerksplatz und Bürohäuschen verschwunden, aber auf einem nahe gelegenen Baggerteich konnte ich bei schönem Sommer-Wetter eine erholsame Schwimm-Pause einlegen. Meine Fahrt ging weiter über Wurzen nach Torgau über die Elbe nach Herzberg, Luckau und Lübben.
Am Schwieloch See machte ich um 6:00 Uhr abends wieder eine Schwimm-Pause, dann weiter über Beeskow nach Fürstenwalde, wo ich meinen Vetter Rainer und seine Frau Hella mit Sohn und Tochter besuchte. Sie wohnten dort seit Kriegsende in einem kleinen Häuschen mit Nebengebäude und einem großen Garten, das sie von Rainers Mutter geerbt hatten. Wir hatten uns lange nicht gesehen, und es gab viel zu erzählen, aßen im Garten Abendbrot und dann konnte ich im Nebengebäude in einem schönen Gästezimmer übernachten. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen fuhr ich mit meinem Klapprad das ich immer im Auto mit hatte, zur Staatsbank, um die vorgeschriebenen 15 Westmark pro Tag eins zu eins in Ostmark zu tauschen. Der Schwarzmarktkurs war damals sieben zu eins. Auch mußte ich mich bei der Polizei anmelden, da ich länger als 24 Stunden in Fürstenwalde blieb.
Rainer arbeitete jeden Tag als Installateur in der staatlichen Autoreifenfabrik. Hella hatte einen Job als Friseuse in einem Staatsladen und schnitt mir dort für eine Ostmark die Haare. Die beiden Kinder gingen noch zur Schule.
Nachmittags fuhr ich auf meinem Klapprad zum Scharmützel See baden.
Abends saßen wir wieder zusammen im Garten, erzählten und aßen Abendbrot.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen verabschiedete ich mich und fuhr in meinem Auto nach Müncheberg und Seelow, um mir dort die russischen Gedenkstätten an die schweren Kämpfe auf den Oderbruch-Höhen vor der Eroberung Berlins anzuschauen.
In Neuhardenberg besuchte ich das Grab meiner Tante Emma, die dort schon nach dem Ersten Weltkrieg den Müllermeister Hermann Kreuschner geheiratet hatte, sie hatte keine eigenen Kinder, und auch nach dem Krieg noch bis zu ihrem Tod bei ihrer Stieftochter, der Familie Mallon, lebte. Er war schon vor dem letzten Krieg gestorben.-
Auch meine Tante Lydia, Emmas Schwester, war schon Ende des Krieges, bevor die Russen nach Himmelsstädt kamen, nach Neuhardenberg geflohen und wurden nach ihrem Tod dort begraben.--
Nachmittags fuhr ich noch zu Oder-Brücke bei Küstrin, wo die Grenze nach Polen mitten durch den Fluss verläuft. Da die Stadt aber auf dem östlichen Ufer liegt und ich kein polnisches Visum hatte, durfte ich am Grenzposten nicht weiter über die Brücke fahren.
Dafür konnte ich mit einem russischen Wachsoldaten, der ein wenig Deutsch konnte, ein Weilchen unterhalten.
Er erklärte mir, dass er Deutschland sehr schön findet, aber sich nach seiner Familie und dem kleinen Dorf über 1000 km von Küstrin entfernt hinter dem Ural sehnt. Während seiner mehrjährigen Dienstzeit bekommt er nur einmal Heimaturlaub.-
Dann fuhr ich nach Frankfurt/Oder zu einer kleinen Stadtrundfahrt und war rechtzeitig zum Abendbrot im Garten meines Vetters.-
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen und Abschied von der Familie fuhr ich nochmal zum Schwimmen im städtischen Freibad (Eintritt 20 Ostpfennig) und dann weiter über Fürstenberg nach Rheinsberg, wo ich mir das Schloss anschaute und einen langen Spaziergang am Seeufer machte. Auf meiner ganzen DDR-Tour hatte ich schönes Sommerwetter.-

Weiter ging es über Neu Ruppin, wo ich an den alten Panzerkasernen, in denen ich den Winter 1942/43 in der warmen Schreibstube verbracht hatte, vorbeifuhr, über die Autobahn nach Potsdam.
Dort zuerst nach Sanssouci, wo ich mein Auto auf einem kleinen Parkplatz hinter dem Schloss abstellte. Ich lief hinauf zum Schloss, über den großen Vorhof und genoß die weite Aussicht von dort über die Rosen-Terrassen. Da es ein Montag war und erst wenig West-Touristen hierherkamen, gab es hier oben nur wenige Besucher.
Ich holte mein Klapprad aus dem Auto und radelte durch Schlosspark und Innenstadt, wo ich im Info-Büro einen Stadtplan bekam und in einem HO-Laden Brot und Milch als Marschverpflegung kaufte, dann weiter am Havel Ufer zur Glienicker Brücke, aber nicht hinüber über die Grenze nach West-Berlin, denn mein Visum war wohl nur für eine einmalige Einreise in die DDR gültig.
Also radelte ich weiter am Jungfern See entlang nach Cecilienhof, schlenderte dort durch die schönen Gartenanlagen, dann wieder zurück am Heiligensee entlang und kreuz und quer durch Park Charlottenhof und Park Sanssouci bis in den späten Abend.
Erst als es dunkel war, radelte ich zurück zu meinem kleinen ruhigen Parkplatz und schlief dort in der warmen Sommernacht im Auto. Um 6:00 Uhr am nächsten Morgen machte ich nochmal eine Radtour durch die schönen Parkanlagen, unterhielt mich mit ein paar Gärtnern, die gerade zur Arbeit kamen, und fuhr dann mit meinem Auto über Brandenburg und Genthin nach Tangermünde, wo ich am Elbhafen entlang spazierte.
Dann über Stendal und Gardelegen nach Magdeburg, wo ich den großen Dom besichtigte, in dem mein Schwiegervater nach dem Krieg eine Zeit lang als Pfarrer gepredigt hatte.
In einem großen HO-Laden kaufte ich Brot und Marmelade für meinen Haushaltsvorrat, um meinen Ostmark aus dem Zwangsumtausch für mein Visum los zu werden, schlenderte noch durch einen Intershop und fuhr dann weiter über Oschersleben, Halberstadt und Blankenburg durch den Harz nach Nordhausen und über Bad Langensalza nach Eisenach. Dort eine kleine Stadtrundfahrt und dann hinauf zum Parkplatz vor der Wartburg.
Dann über den Fußweg, Treppen und die Zugbrücke in Luthers feste Burg, die ich vor 46 Jahren schon einmal besucht hatte.
Bei Besuchsschluss in der Abenddämmerung zurück zu meinem Auto, und über die Autobahn rechtzeitig zum Ablauf meines Visums über die Grenze nach Herleshausen, wo ich mich auf dem Rasthof in meinem Auto zum schlafen legte.
Da man im Dunkeln nichts von der Landschaft sehen kann, fuhr ich erst bei Tageslicht am nächsten Morgen nachhause und trudelte dort um 9:30 Uhr ein. ---

bi_als erster in die ddr

In den Pfingstferien startete ich wieder zur jährlichen Besuchsreise nach Polen in Begleitung von Christian und wir fuhren zuerst zu unseren alten Freunden in Groß Dammer und Klastawe , dann über Lodz und Radom nach Przemysl zur ukraineschen Grenze.
Weiter durch die Vorberge der Karpaten, wo wir einmal auf einem kleinen Bergbauernhof sehr gastfreundlich empfangen und zum Essen eingeladen wurden, wieder westwärts nach Zakopane, dort mit der Seilbahn auf den 2654 m hohen Hausberg, und wir beide kletterten von der Endstation durch den tiefen Schnee hinauf zum Gipfelkreuz. Dann nach Krakau und Czenstochau zur Schwarzen Madonna und über Breslau, durch die DDR nachhause.—


Anfang Juni bekam ich - als es damals gerade erst möglich wurde - ein Besuchs-Visum für die DDR und fuhr mehrere Tage lang alleine mit meinem Auto durch Thüringen, Sachsen, Ost-Brandenburg und Sachsen-Anhalt durch die ländliche Gegend, vermied große Städte, hielt in kleinen Orten und unterhielt mich mit vielen Menschen, was bis dahin als einzelner Tourist nur schwer möglich war.-