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bi_radfahrer

Ich meldete mich bei der TU Hannover ab, packte meinen Rucksack, und fuhr per Anhalter meine Schwester Ilse in Tunbridge Wells,Sussex, England besuchen, mit der Kanal-Fähre Calais - Dover.
Dort absolvierte Ilse ihre Physical-Therapie-Lehre und wohnte in einer kleinen Pension, wo ich auch ein Zimmer bekam.
Ich trampte aber bald weiter nach Bristol, wo ich mich an der Uni als Austauschstudent für das Herbst-Trimester eintragen wollte.
Ich fand auch bald ein schönes Zimmer bei einem jüngeren Ehepaar in einem typisch englischen Einfamilienhaus ohne Zentralheizung aber mit einem großen Kaminfeuer im Wohnzimmer. Es lag in einem hügeligen Wohnviertel 3 km oberhalb der Uni.
Ich besorgte mir ein gebrauchtes Fahrrad und radelte jeden Tag zu den Vorlesungen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht zum Rad fahren in Deutschland. Radler hatten immer Vorfahrt und die Autofahrer benahm sich uns gegenüber wie perfekte Gentlemen. Mittag aß ich in der Uni Kantine, Frühstück und Abendbrot bekam ich bei meinen Wirtsleuten auf englische Art einschließlich afternoon tea. Ich hörte alle möglichen Vorlesungen und verstand bald auch alles, wenn langsam und deutlich gesprochen wurde. Mein eigener Dialekt blieb stümperhaft.
Über die kurzen Weihnachtsferien fuhr ich wieder meine Schwester Ilse besuchen. Dort genoss ich auch zum ersten Mal echten Plumpudding.

Nach dem Frühjahrs Trimester packte mich wieder das Reisefieber.
Ich trampte nordwärts, ein paar Tage lang zusammen mit Ilse, die dann aber wieder zurück zu ihrer Schulung musste, also alleine weiter über Newcastle, Edinburgh und Glasgow durch Schottland bis zur Isle of Skye.
Über die Meerenge hinüber gab es noch keine Brücke, und die Fähre war mir zu teuer. So machte ich noch eine große Schleife durch die Highlands, bevor es zurückging nach London.
Auf den holprigen Straßen in Schottland litt wieder mein Rücken, besonders auf Holzbänken in uralten ungefederten kleinen Lieferwagen, wenn in jedem Schlagloch mein Kreuz zusammengestaucht wurde. Einmal nahm mich ein Gutsbesitzer in seinem offenen viersitzigen Ford Oldtimer mit, den Motor warf er mit einer großen Kurbel unter dem Kühler an, und als wir in seinem Hof ankamen, nahm er einfach das Steuerrad ab und mit ins Haus (einfache Diebstahlsicherung). In London besuchte ich ein älteres Ehepaar, gute Freunde meiner Schwester Ilse, die beide schon pensioniert waren und mich sehr freundlich aufnahmen. Ich durfte einige Tage bei ihnen bleiben und sie zeigten mir alle Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt.-

Inzwischen war es schon Frühsommer 1951 und Zeit für mich nachhause zu fahren.
Dort hatte sich einiges geändert.
Im Februar waren meine Eltern aus Sulingen nach Berlin umgezogen in die Mansarden-Wohnung ihres Hauses in der Preußen Allee 33, also auch mein neues Zuhause. Meine Oma in Sulingen wäre am 5. März 89 Jahre alt geworden. Aber leider starb sie am 3. März an Altersdiabetes. Meine Mutter war schrecklich betrübt, da sie zu Omas Geburtstag nach Sulingen fahren wollte und ihre Mutter nicht nochmal lebend sehen konnte.-