18. Aug. 07, 21:07
bi_dr. doolittle
Die fünf Jahre in der kleinen Ortsgruppe der Deutschen Freischar waren für mich neben Familie und Schule ein wichtiger Lebensabschnitt. Wir waren meist nur fünf bis sechs Jungen in meinem Alter mit unserem mehrere Jahre älteren Fähnlein-Führer Willy Thomas und gehörten zum Stamm Züllichau-Schwiebus. Unser Stamm-Führer in Züllichau, einer Kreisstadt etwa 25 km südwestlich von Neu Bentschen und ebenso weit südlich von Schwiebus, war Referendar am dortigen Amtsgericht und zur Hitler-Zeit Mitglied der Reiter- SA geworden, weil er sich dort am wenigsten politisch engagieren musste. Der Vorteil, nahe der Natur leben und unsere Fahrten machen zu können, war natürlich auch der Nachteil, wenig von den Auswirkungen der N.S.- Politik in den größeren Städten mit zu bekommen.
Alle ein bis zwei Monate fuhren meine Eltern mit dem DKW nach Berlin. Manchmal nahmen sie mich mit, und dort sah ich meine erste Oper: den „Freischütz“ von Carl Maria von Weber in der Staatsoper. Ein andermal fuhren wir abends im Dunkeln nachhause und auf der Autobahn vor Frankfurt an der Oder lief uns ein Reh ins Scheinwerferlicht. Meine Mutter saß am Steuer und konnte nicht mehr schnell genug bremsen, so daß das Reh vom Kühler umgestoßen wurde. Es sprang aber schnell wieder auf und lief davon. Wenn meine Eltern alleine mit dem Auto weggefahren waren konnte ich abends schlecht einschlafen, bis ich den Motor im Hof unter meinem Zimmerfenster hören konnte. Manchmal wachte ich auch nachts schweißgebadet auf und sah in einem Albtraum vom Fußende des Bettes her einen Tiger oder einen Stier auf mich zuspringen, vielleicht, weil ich damals das Buch „Dr.Doolittle“`s Tiere las.- Meine Eltern waren mit dem Lehrerehepaar Engelmeyer befreundet, mit denen sie oft abends Bridge spielten, wenn mein Vater Zeit hatte bei uns zuhause im Wohnzimmer. Meine Mutter rauchte dann zwei bis drei Zigaretten und wenn ich nachts aufwachte, schlich ich mich ins Wohnzimmer, um den Zigarettenduft zu genießen.- Mein Vater war streng aber gerecht, und ich kann mich daran erinnern,dass er- ich muss wohl sehr ungezogen gewesen sein-mir abends mit seinem Rohrstock drei leichte Schläge auf den nackten Po gab und ich mich im Wohnzimmer unter den Flügel hockte und heulte, die Strafe aber nicht als ungerecht empfand.- 50 m nördlich unseres Wohnhauses führte er eine Querstraße westwärts-damals fast noch unbebaut-leicht ansteigend etwa 400 m zum großen Sportplatzgelände. Diese Straße war an beiden Seiten mit kleinen Lindenbäumen bepflanzt und führte nach der anderen Seite zu dem großen Platz mit dem Schulgebäude. Mein Vetter Willi Liebe, dessen Vater in Himmelstedt bei Landsberg/Warthe einen kleinen Bauernhof mit Gastwirtschaft betrieb, war 12 Jahre älter und damals anderthalb Kopf größer als ich. Als er uns einmal im Frühjahr besuchte, gingen wir beide Lindenblüten sammeln. Er konnte den ganzen Baum abflücken, ich aber nur die untersten Zweige erreichen. Heute sind diese Bäume so groß, dass wir beide die Krone nicht mehr erreichen könnten. Das Sportgelände ist heute noch in Betrieb und hatte damals schon einen großen Fußballplatz mit Aschenbahn, Umkleideräume, Bolzplätze und zwei extra eingezäunte Tennisplätze, auf denen meine Eltern oft spielten und ich auch oder erwerben begeistert lernte. Ein bis zweimal im Sommer fuhren meine Eltern mit uns Kindern im Auto zu einem kleinen Regional-
tournier in einer Nachbarstadt, wo sie auch -meist als Doppel-selber (unter ferner liefen) mitspielten. Durch seine Kriegsverletzung war mein Vater immer noch ein wenig behindert. Diese Fahrt war auch für uns Kinder ein schönes gesellschaftliches Ereignis.
Alle ein bis zwei Monate fuhren meine Eltern mit dem DKW nach Berlin. Manchmal nahmen sie mich mit, und dort sah ich meine erste Oper: den „Freischütz“ von Carl Maria von Weber in der Staatsoper. Ein andermal fuhren wir abends im Dunkeln nachhause und auf der Autobahn vor Frankfurt an der Oder lief uns ein Reh ins Scheinwerferlicht. Meine Mutter saß am Steuer und konnte nicht mehr schnell genug bremsen, so daß das Reh vom Kühler umgestoßen wurde. Es sprang aber schnell wieder auf und lief davon. Wenn meine Eltern alleine mit dem Auto weggefahren waren konnte ich abends schlecht einschlafen, bis ich den Motor im Hof unter meinem Zimmerfenster hören konnte. Manchmal wachte ich auch nachts schweißgebadet auf und sah in einem Albtraum vom Fußende des Bettes her einen Tiger oder einen Stier auf mich zuspringen, vielleicht, weil ich damals das Buch „Dr.Doolittle“`s Tiere las.- Meine Eltern waren mit dem Lehrerehepaar Engelmeyer befreundet, mit denen sie oft abends Bridge spielten, wenn mein Vater Zeit hatte bei uns zuhause im Wohnzimmer. Meine Mutter rauchte dann zwei bis drei Zigaretten und wenn ich nachts aufwachte, schlich ich mich ins Wohnzimmer, um den Zigarettenduft zu genießen.- Mein Vater war streng aber gerecht, und ich kann mich daran erinnern,dass er- ich muss wohl sehr ungezogen gewesen sein-mir abends mit seinem Rohrstock drei leichte Schläge auf den nackten Po gab und ich mich im Wohnzimmer unter den Flügel hockte und heulte, die Strafe aber nicht als ungerecht empfand.- 50 m nördlich unseres Wohnhauses führte er eine Querstraße westwärts-damals fast noch unbebaut-leicht ansteigend etwa 400 m zum großen Sportplatzgelände. Diese Straße war an beiden Seiten mit kleinen Lindenbäumen bepflanzt und führte nach der anderen Seite zu dem großen Platz mit dem Schulgebäude. Mein Vetter Willi Liebe, dessen Vater in Himmelstedt bei Landsberg/Warthe einen kleinen Bauernhof mit Gastwirtschaft betrieb, war 12 Jahre älter und damals anderthalb Kopf größer als ich. Als er uns einmal im Frühjahr besuchte, gingen wir beide Lindenblüten sammeln. Er konnte den ganzen Baum abflücken, ich aber nur die untersten Zweige erreichen. Heute sind diese Bäume so groß, dass wir beide die Krone nicht mehr erreichen könnten. Das Sportgelände ist heute noch in Betrieb und hatte damals schon einen großen Fußballplatz mit Aschenbahn, Umkleideräume, Bolzplätze und zwei extra eingezäunte Tennisplätze, auf denen meine Eltern oft spielten und ich auch oder erwerben begeistert lernte. Ein bis zweimal im Sommer fuhren meine Eltern mit uns Kindern im Auto zu einem kleinen Regional-
tournier in einer Nachbarstadt, wo sie auch -meist als Doppel-selber (unter ferner liefen) mitspielten. Durch seine Kriegsverletzung war mein Vater immer noch ein wenig behindert. Diese Fahrt war auch für uns Kinder ein schönes gesellschaftliches Ereignis.