16. Sep. 07, 15:20
bi_blinder passagier
- Ich wurde natürlich sofort wieder inhaftiert und in ein kleines Evadee-Lager in der Nähe von Bethune gebracht. Es war außerhalb der Stadt auf freiem Feld neu gebaut worden und hatte nur zwei kleine Baracken. Diese waren von einer 2 1/2 Meter hohen Steinmauer umgeben. Darin wurden etwa 20 deutsche Kriegsgefangene, die im letzten Jahr ausgerückt waren, festgehalten.
Normale Kriegsgefangenenlager gab bis zu dieser Zeit in Frankreich nicht mehr, da Ende 1946 alle deutschen Kriegsgefangenen einen zweijährigen Zivilarbeitervertrag in der Landwirtschaft oder anderen Berufen bekamen, nach dessen Ende sie ihr weiteres Leben frei bestimmen konnten. Nur die Evadees mussten-wahrscheinlich aus Prestigegründen-weiter gefangen gehalten werden.
Dort bekam ich zur Strafe zwei Wochen Einzelhaft, brauchte aber weder meine Zivilkleidung ausziehen, noch wurden mir die Haare kahl geschnitten. Wir wurden von Zivilisten bewacht und betreut. Nur der Lagerkommandant war ein Armeefeldwebel. Er notierte eifrig alle meine Personaldaten so wie ich sie ihm vortrug, denn es gab keinerlei Angaben aus meinen früheren Lagern. Da normaler Postverkehr längst wieder möglich war, hatte ich von Melun aus einen kurzen Briefwechsel mit meinen Eltern. Auch von einem alten Kumpel aus der Kriegszeit hatte ich Nachricht. Er arbeitete noch in der Nähe von Roubaix auf einem großen Bauernhof, wo er in einem Nebengebäude die Molkerei selbstständig betrieb.
Darauf baute ich meinen neuen Fluchtplan, da seine Arbeitsstelle nicht sehr weit von meinem Standort entfernt war. Nach Dunkelwerden patrouillierten zwei Zivilwachen alle halbe Stunde außen um unsere Lagermauer. Das war natürlich kein großes Problem für meinen dritten Fluchtversuch.
Etwa vier Wochen nach meiner Ankunft kletterte ich abends bei Dunkelheit über die Mauer, als die Wachen außer Sicht waren, schlug mich in die Büsche und wanderte über die Felder Richtung Roubaix. Im Morgengrauen erreichte ich den Bauernhof, auf dem mein Freund arbeitete, er nahm mich gleich mit in sein Apartment und servierte mir ein nahrhaftes Frühstück. Nach zwei Tagen in denen ich bei ihm mit seinen Milchprodukten wie im Schlaraffenland lebte, startete ich abends im Dunkeln zum ungestörten Grenzübergang im Stadtgebiet nach Belgien. Mein Freund hatte mir genau aufgezeichnet, welche Straßen ich entlanglaufen sollte und am nächsten Morgen wanderte ich schon weit im belgischen Gebiet auf der Straße nach Ostende. Da ich vermutete, dass an der belgisch-deutschen Grenze doch noch schärfere Kontrollen stattfinden, wollte ich in dem Seehafen einen deutschen Küstendampfer suchen, indem ich dann als blinder Passagier mit nach Deutschland fahren könnte. Als ich dann zwei Tage später in Ostende eintraf, fand ich abends im Hafen auch bald ein deutsches Schiff, das am Kai vertaut war. Nach Dunkelwerden enterte ich unbemerkt das Schiff und verkroch mich unter die Plane eines Rettungsboots, die ich von innen wieder zu- schnürte.
Ich schlief auf ein paar Schwimmwesten und wurde morgens-wieder mal-von Hundegebell geweckt.
Die Hafenpolizei hatte mich aufgestöbert und nahm mich-wie schon gehabt-ohne Papiere fest.
Im Amtsgericht wurde ich entsprechend meinen Angaben wegen unerlaubten Grenzübertritts-wieder mal-zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Nach Strafverbüßung wurde ich von einem Polizeiauto an die belgisch-deutsche Grenze bei Trier gefahren und dort französischen Soldaten übergeben. Die brachten mich in das französische Militärlager in Bad Kreuznach, das gleich nach dem Krieg als Gefangenenlager gedient hatte und wo ich nun als solitärer Evadee weiter inhaftiert wurde.
Den Winter über verbrachte ich meist mit Kartoffelschälen in der Kasernenküche.
Im Frühjahr kam mich sogar meine Schwester für zwei Stunden besuchen. Tatsächlich fanden sich dann allmählich noch weitere Evadees ein, so das wir Ende Mai ein Trupp von etwa 20 Mann waren. Also wurden wir nach Friedrichshafen gekarrt, wo wir auf dem großen Flughafen (der ursprünglich für Zeppeline gebaut wurde, dann deutscher und französischer Militärflughafen war) eine gesunde Beschäftigung fanden. Auf einer Landebahn mussten wir ein paar alte Bombenlöcher zu- schippen. Wir wurden von Poilues bewacht und schliefen in einer Baracke neben der Landebahn.
Nach der ersten Arbeitswoche bekamen wir am Sonntag Stadturlaub--- ohne Bewachung !
Ich marschierte zum Bahnhof und bat den nächsten Lokführer, mich in seinem Kohletender mit in die amerikanische Zone zu nehmen.
So unternahmen wie ich wohl fast alle meine Kameraden ihren letzten und finalen Ausreißversuch.
Ich nehme an, die französische Armee wollte ihre letzten Evadees endlich auf elegante Weise loswerden. Am Sonntagabend landete ich in Stuttgart, wo ich eine gute Freundin meiner Mutter aufsuchte und von ihr das Geld für eine Fahrkarte nach Sulingen zu meinen Eltern zu erbat.
Normale Kriegsgefangenenlager gab bis zu dieser Zeit in Frankreich nicht mehr, da Ende 1946 alle deutschen Kriegsgefangenen einen zweijährigen Zivilarbeitervertrag in der Landwirtschaft oder anderen Berufen bekamen, nach dessen Ende sie ihr weiteres Leben frei bestimmen konnten. Nur die Evadees mussten-wahrscheinlich aus Prestigegründen-weiter gefangen gehalten werden.
Dort bekam ich zur Strafe zwei Wochen Einzelhaft, brauchte aber weder meine Zivilkleidung ausziehen, noch wurden mir die Haare kahl geschnitten. Wir wurden von Zivilisten bewacht und betreut. Nur der Lagerkommandant war ein Armeefeldwebel. Er notierte eifrig alle meine Personaldaten so wie ich sie ihm vortrug, denn es gab keinerlei Angaben aus meinen früheren Lagern. Da normaler Postverkehr längst wieder möglich war, hatte ich von Melun aus einen kurzen Briefwechsel mit meinen Eltern. Auch von einem alten Kumpel aus der Kriegszeit hatte ich Nachricht. Er arbeitete noch in der Nähe von Roubaix auf einem großen Bauernhof, wo er in einem Nebengebäude die Molkerei selbstständig betrieb.
Darauf baute ich meinen neuen Fluchtplan, da seine Arbeitsstelle nicht sehr weit von meinem Standort entfernt war. Nach Dunkelwerden patrouillierten zwei Zivilwachen alle halbe Stunde außen um unsere Lagermauer. Das war natürlich kein großes Problem für meinen dritten Fluchtversuch.
Etwa vier Wochen nach meiner Ankunft kletterte ich abends bei Dunkelheit über die Mauer, als die Wachen außer Sicht waren, schlug mich in die Büsche und wanderte über die Felder Richtung Roubaix. Im Morgengrauen erreichte ich den Bauernhof, auf dem mein Freund arbeitete, er nahm mich gleich mit in sein Apartment und servierte mir ein nahrhaftes Frühstück. Nach zwei Tagen in denen ich bei ihm mit seinen Milchprodukten wie im Schlaraffenland lebte, startete ich abends im Dunkeln zum ungestörten Grenzübergang im Stadtgebiet nach Belgien. Mein Freund hatte mir genau aufgezeichnet, welche Straßen ich entlanglaufen sollte und am nächsten Morgen wanderte ich schon weit im belgischen Gebiet auf der Straße nach Ostende. Da ich vermutete, dass an der belgisch-deutschen Grenze doch noch schärfere Kontrollen stattfinden, wollte ich in dem Seehafen einen deutschen Küstendampfer suchen, indem ich dann als blinder Passagier mit nach Deutschland fahren könnte. Als ich dann zwei Tage später in Ostende eintraf, fand ich abends im Hafen auch bald ein deutsches Schiff, das am Kai vertaut war. Nach Dunkelwerden enterte ich unbemerkt das Schiff und verkroch mich unter die Plane eines Rettungsboots, die ich von innen wieder zu- schnürte.
Ich schlief auf ein paar Schwimmwesten und wurde morgens-wieder mal-von Hundegebell geweckt.
Die Hafenpolizei hatte mich aufgestöbert und nahm mich-wie schon gehabt-ohne Papiere fest.
Im Amtsgericht wurde ich entsprechend meinen Angaben wegen unerlaubten Grenzübertritts-wieder mal-zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Nach Strafverbüßung wurde ich von einem Polizeiauto an die belgisch-deutsche Grenze bei Trier gefahren und dort französischen Soldaten übergeben. Die brachten mich in das französische Militärlager in Bad Kreuznach, das gleich nach dem Krieg als Gefangenenlager gedient hatte und wo ich nun als solitärer Evadee weiter inhaftiert wurde.
Den Winter über verbrachte ich meist mit Kartoffelschälen in der Kasernenküche.
Im Frühjahr kam mich sogar meine Schwester für zwei Stunden besuchen. Tatsächlich fanden sich dann allmählich noch weitere Evadees ein, so das wir Ende Mai ein Trupp von etwa 20 Mann waren. Also wurden wir nach Friedrichshafen gekarrt, wo wir auf dem großen Flughafen (der ursprünglich für Zeppeline gebaut wurde, dann deutscher und französischer Militärflughafen war) eine gesunde Beschäftigung fanden. Auf einer Landebahn mussten wir ein paar alte Bombenlöcher zu- schippen. Wir wurden von Poilues bewacht und schliefen in einer Baracke neben der Landebahn.
Nach der ersten Arbeitswoche bekamen wir am Sonntag Stadturlaub--- ohne Bewachung !
Ich marschierte zum Bahnhof und bat den nächsten Lokführer, mich in seinem Kohletender mit in die amerikanische Zone zu nehmen.
So unternahmen wie ich wohl fast alle meine Kameraden ihren letzten und finalen Ausreißversuch.
Ich nehme an, die französische Armee wollte ihre letzten Evadees endlich auf elegante Weise loswerden. Am Sonntagabend landete ich in Stuttgart, wo ich eine gute Freundin meiner Mutter aufsuchte und von ihr das Geld für eine Fahrkarte nach Sulingen zu meinen Eltern zu erbat.