Gaza Stadt schien mir die am dichtesten besiedelte Großstadt zu sein, die ich kenne.
Die Kontrolle am Übergang zu Israel war schnell und einfach.
Durch Ashqelon fuhr ich weiter durch die großen Jaffa-Orangen-Plantagen, wo man sich an heruntergefallenen reifen Früchten sattessen konnte.
Weiter nördlich wieder ins Westjordanland bei Ramallah, um die Familie meines Freundes vom Golan in den Nähe von Nablus zu besuchen.
Nach einigem Suchen fand ich dort auch die große jüdische Siedlung, die wie üblich von einer mannshohen Mauer umgeben und nur durch einen bewachten Eingang zu erreichen war.
In dem schönen Einfamilienhaus wurde ich von den Eltern und einer Tochter sehr freundlich begrüßt.
Wir unterhielten uns auf Englisch.
Ich wurde zum Abendessen eingeladen und und durfte danach auch an der kleinen Familienfeier zum Beginn des achttägigen Lichterfestes, das zur Erinnerung an die Neuweihe des jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahre 164 v. Chr. vom jüdischen Volk gefeiert wird, teilnehmen.
Wir saßen auf Stühlen vor einem großen geschmückten Tisch an der Wohnzimmerwand mit der Tora und dem großen Chanukka-Leuchter aus Messing. Der Vater zündete auf dem Leuchter die große Kerze in der Mitte des Ständers mit je drei weiteren Kerzen an den nach jeder Seite weit ausladenden Armen. Dann las er aus der Thora in hebräischer Sprache und es wurde auch gesungen.
Nach der halbstündigen Feier und etwas Unterhaltung wurde ich zum Übernachten im Gästezimmer geführt.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen verabschiedete ich mich, dankte für die großzügige Gastfreundschaft, fuhr noch einmal drei Tagelang kreuz und quer durch Israel und das Westjordanland und dann nochmal nach Tel Aviv, um mich bei Rachels zu verabschieden, war dort auch zur letzten Übernachtung eingeladen, und fuhr am nächsten Morgen zum Flughafen, wo ich nach 14 Reisetagen mein Mietauto abgab und im gebuchten Flug in Nürnberg landete, wo mich Maria mit ihrem Autor abholte.—
Ich fuhr weiter Richtung Süden nach Hebron, der größten Stadt im südlichen Palästina.
Die große Moschee Haram el-Khalil dort beherbergt antike Gräber, die entweder für Juden oder für Moslems heilig sind.
Fast alle Einwohner sind Araber, nur neben der Moschee gibt es ein kleines abgesperrtes Getto mit knapp 50 Juden, das Tag und Nacht von israelischen Soldaten bewacht und ihnen der Zugang zur Moschee offen gehalten wird und alle Araber fern gehalten werden.
Einige Kilometer nördlich der Stadt gibt es eine jüdische heilige Grabstätte, um die schon eine große jüdische Siedlung gebaut wurde.
Die wenigen jüdischen Familien im innerstädtischen Getto weigern sich aber, dorthin zu ziehen, und so muss ständig eine Kompanie der israelischen Armee zu ihrer Bewachung bereit stehen.
Die große Moslem Gemeinde muss für jeden Gottesdienst bei den Wachsoldaten um Genehmigung bitten und hat sonst auch keinen Zutritt zur Moschee.
Von Hebron fuhr ich in den Negev über Bersheeba und Dimona, vorbei an künstlich bewässerten Farmen, die große Straße nach Eilat, am Ende des Golfs von Akaba, benannt nach dem jordanischen Hafen auf der anderen Seite der israelisch-jordanischen Grenze.
Da es schon dunkel wurde, schlief ich auf einem der Park Plätze an dem langen Badestrand mit Blick auf die vielen Lichter des großen Hafens nur wenige Kilometer entfernt, die im Meer schimmerten.
Am nächsten Morgen fuhr ich die drei Kilometer zu dem kleinen Luxus-Badeort direkt an der ägyptischen Grenze, auf der Landseite von den steilen Randfelsen des Sinai überragt.
Dort durfte ich sogar dicht an die Zollschranke heranfahren.
Nach einem langen Strandspaziergang ( zum Baden war es mir doch wieder zu kühl) fuhr ich die große Autostraße zurück nach Dimona.
Von dort über kleine Straßen westwärts nach Revivim und zur ägyptischen Grenze am Sinai.
Unterwegs gab es keinerlei Kontrollen, nur die großen Atom-Forschungsanlagen waren streng abgeschirmt. Die Grenze war durch einen hohen doppelten Drahtzaun abgesperrt und auf der kleinen Straße nordwärts zum Gazastreifen gab es häufig kurze Kontrollen durch israelische Grenzsoldaten.
Ich konnte aber ohne Schwierigkeiten bis zu dem großen Grenzübergang zwischen Gazastreifen und Ägypten fahren und dem Grenzverkehr zuschauen. Es waren aber nur ein paar Ägypter, die die Grenze passierten.
Dann fuhr ich zum Mittelmeerstrand, aber der war im Gaza Gebiet auf weiten Strecken durch israelisches Militär mit Stacheldraht abgesperrt.
Auf der Weiterfahrt fiel mir vor allem der Gegensatz zwischen den meist ärmlichen Häusern der palästinensischen Bevölkerung (über 90%) und den großen und gut gepflegten Villen und Farmen der jüdischen Siedler auf.
Der Übergang direkt vor dem Ortseingang eines kleinen Städtchens, dass wie ausgestorben schien, war hermetisch abgeriegelt und wieder von Blauhelm-Soldaten überwacht. Nach einer kurzen Unterhaltung mit den Blauhelmen auf Englisch fuhr ich weiter durch den Golan über den steilen Abfall des Hochlandes zum nördlichen Ufer des See Genezareth, wo auch der Oberlauf des Jordan einmündet. Auf der Uferstraße zum Städtchen Tiberias. An der Badeanstalt sah ich einige abgehärtete Schwimmer im Seewasser, aber mir war das Wetter zum Baden doch schon zu kalt. Dafür konnte ich an einer Bootsfahrt auf dem See, der 209 m unter dem Meeresspiegel liegt, teilnehmen.
Über Nazareth ging meine Reise dann wieder ins Palästinenser Gebiet.
Auf den palästinensischen Straßen gab es häufig Kontrollstellen, aber man wurde als deutscher Tourist von den israelischen Soldaten immer schnell und höflich durchgelassen. Von Ramallah aus wollte ich auf der großen Straße nach Amman über Jericho bis zum Grenzübergang am Jordan weiterfahren. Aber kurz hinter der Stadt war an einer großen Straßensperre schon Schluß.
Nur Personen mit Sonderausweis durften die 25 km von dort bis zum Jordan weiterfahren.
So fuhr ich nach Jerusalem, wanderte durch die Altstadt, durch die Via Dolorosa, zur Grabeskirche und zur Klagemauer. Nur der Tempelberg war abgesperrt. Kurze Stadtrundfahrt.
Dann nach Bethlehem zur Geburtskirche.
Die 60.000 Einwohner der Stadt sind fast alle Araber christlichen Glaubens. In den vielen kleinen Andenkenläden der Innenstadt klagten damals schon die Händler, dass wegen der häufigen Kontrollen durch israelisches Militär immer weniger Touristen-Kundschaft käme und so ihr Geschäft lahmliege.
Ein jüngerer Mann, der gut Englisch sprach, fragte mich, ob und wie man nach Deutschland einwandern könne.
Leider konnte ich ihm darüber keine Auskunft geben. -
Dann fuhr ich zum Ufer des Toten Meeres.
In einem kleinen Badeort mit Sandstrand konnte man im Wasser baden und wegen des hohen Salzgehalts liegt man auf der Wasseroberfläche (392 m unter Meeresspiegel) bewegungslos wie auf einem Kissen.
Auf dem Rücken liegend kann man bequem Zeitung lesen. Gelenkige Leute können das auch in Bauchlage, aber ich bekam dann doch zu viel Salzwasser in den Magen.
Luft und Wasser waren auch trotz der späten Jahreszeit noch angenehm warm an dieser tiefsten Stelle des etwa 250 Kilometer langen kontinentalen Jordangrabens.
Nach dem Bad fuhr ich 15 km westwärts zu dem großen Tafelberg Masada, auf dessen Oberfläche (schon wieder 50 m über Meeresspiegels) mehrere Archäologen noch mit Ausgrabungen beschäftigt waren.
Autos mussten unten parken, da der breite Fußweg hinauf zur Oberfläche für Fahrzeuge gesperrt war.
Einige wenige Touristen wanderten wie ich auf der Oberfläche herum zu den Sehenswürdigkeiten und Grabungstellen.
Die 1963 bis 65 ausgegrabene Herodianische Anlage mit zwei Palästen, Thermen, Vorratsgebäuden, Kasematten-mauer und Synagoge. Dazu Überreste des römischen Lagers und des Belagerungswalles.
König Herodes hatte dort 36 bis 30 v. Chr. eine große Festung gebaut. Er war von seinen Untertanen als gottloser Usurpator verhaßt, aber durch sein Bündnis mit den Römern und der rücksichtslosen Bekämpfung aller Gegner, verhalf er dem jüdischen Volk zu einem fast dreißigjährigen Frieden.
Besiedlungs-Spuren konnten vom vierten Jahrtausend bis in byzantinische Zeit (Mönchsiedlung, erhalten eine Kapelle) von nachgewiesen werden -
Es war wieder ein schöner Sonnentag und auf meiner ganzen zweiwöchigen Israelreise hatte ich auch mit dem Wetter viel Glück, fast keinen Regen. -
Anfang Dezember bekam ich endlich mein Einreisevisum für Israel, das ich schon im Sommer beantragt hatte, und für das ich erst durch alle möglichen Urkunden nachweisen musste, dass ich nicht N.S.-belastet bin.
Also buchte ich sofort einen Hin- und Rückflug nach Tel Aviv inklusive Mietauto am Flughafen.
Am 6. Dezember flog ich hin und dort fuhr ich mit meinem Auto zuerst zur Familie von Rachels Vater, der Arzt ist, und in einem Vorort im eigenen Haus mit großem Garten seine Praxis betreibt. Rachels Mutter ist schon lange tot und ihre Stiefmutter, wohl um einiges jünger als der Vater, mit zwei Kindern im Grundschulalter begrüßten mich, ebenso wie der Vater, sehr freundlich.
Wir unterhielten uns auf Englisch, da alle nur wenig Deutsch konnten.
Ich wurde im Gästezimmer einquartiert, zum Essen eingeladen und in die Lebens-Gewohnheiten in Israel eingeweiht.
Auch Rachels jüngerer Bruder, der mit Frau und Kind in einem kleinen Nebengebäude auf dem Grundstück wohnte, kam mich mit seiner Familie abends begrüßen.
Nach einer Stadtrundfahrt am nächsten Tag besuchten wir Rachels Oma, die in einer eigenen kleinen Wohnung in der Nähe wohnte und ein wenig Deutsch sprach.
Sie war damals schon fast 90 Jahre alt und noch sehr lebhaft und gesprächig, nur ein klein wenig gehbehindert. Vor zwei Jahren starb sie, 106 Jahre alt, weil sie keine Lust zum Leben und keinen Appetit hatte und keine Nahrung mehr zu sich nahm.-
Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich und fuhr entlang der Mittelmeerküste über Haifa und Akko Richtung Libanon. Die Entfernung von Tel Aviv bis zur Grenze beträgt etwa 120 km (zwei Autostunden). Überall herrschte damals tiefer Frieden. Schwedische Blauhelm-Soldaten kontrollierten den Grenzübergang, mit denen ich mich Englisch unterhalten konnte. Ihr größtes Problem sei die Langeweile, aber sie durften mich nicht durchfahren lassen, da mein Visum nur innerhalb Israels und für keinen Grenzübertritt gültig war.
Ich fuhr ca.10 Kilometer zurück zum kleinen Städtchen Nahariya, dass aussah wie irgendein deutsches Städtchen und übernachtete dort bei einer netten älteren Dame, die Zimmer vermietete und noch genauso gut Deutsch sprach wie ich.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen reiste ich ostwärts parallel zur libanesischen Grenze bis zu dem kleinen Zipfel Israels, der sich zwischen dem Libanon und dem Oberlauf des Jordan Flusses etwa 25 km nach Norden erstreckt. Dort besuchte ich ein kleines jüdisches Landwirtschafts-Kibbuz und fuhr weiter zu einem großen Drusen Dorf direkt an der tiefen Schlucht des Jordan, wo die Grenze zur Syrien direkt im Fluss verläuft. Von dort aus konnte man gut die schon schneebedeckten Gipfel des riesigen Hermon-Gebirges sehen, dessen Süd-Gipfel mit 2810 m der höchste Berg Syriens ist.
Die Drusen sind ein den Kurden verwandter Volksstamm mit etwa 150.000 Angehörigen, der schon seit Jahrhunderten in diesem Gebiet angesiedelt ist.
Auf der anderen Talseite liegt ein großes Nachbardorf, aber die Grenze war hermetisch abgeriegelt, und die Verwandten auf beiden Seiten hatten keine Möglichkeit sich gegenseitig zu besuchen. Man unterhielt sich über das enge Tal hinweg durch große Megaphone.
Ich stieg aus und, obwohl ich nichts verstand, lauschte ich wie gefangen lange Zeit dem melodischen Singsang der Stimmen, bis ein älterer Mann mich ansprach und mich nach dem Woher und Wohin fragte.
Als ich ihm auf Englisch sagte, daß ich Deutscher bin, lud er mich in sein nahe gelegenes Haus ein, wo im großen Wohnzimmer mehrere Männer auf ihren Kissen saßen, Wasserpfeife rauchten und sich unterhielten.
Einige konnten Englisch radebrechen, zwei junge Frauen brachten Tee und leichtes Gebäck, als ich das Pfeiferauchen höflich dankend ablehnte.
Nach einem freundschaftlichen Abschied, bei dem ich um baldigen Wiederbesuch gebeten wurde, fuhr ich wieder nach Süden Richtung Golan.
Auf einer kleinen Landstraße dort oben hatte ich eine Reifenpanne. Es wurde schon langsam dunkel und ich betrachtete noch den Schaden, da kam ein Auto vorbeigefahren. Der Fahrer, ein 18 jähriger Israeli, hielt an, begrüßte mich auf Englisch, holte Reservereifen und Wagenheber aus meinem Auto und wechselte das defekte Rad aus. Dann lud er mich einen, mit ihm nachhause zu fahren. Er arbeitete und wohnte auf einer Rinderfarm-Kolchose. Er lud mich zum Abendbrot ein und zeigte mir ein kleines Gästezimmer, in dem ich übernachten konnte. Wir unterhielten uns weiter auf Englisch.
Er war fest davon überzeugt, dass Israel zu Recht den Golan besetzt hatte, da hier vor vielen 100 Jahren ein jüdisches Reich existiert hatte.
Er war ein netter freundlicher junger Mann.
Beim Frühstück am nächsten Morgen gab er mir die Adresse seiner Eltern, die in einer jüdischen Siedlung in der Nähe von Nablus in Palästina wohnten, und bat mich, sie zu besuchen.
Ich bedankte mich für die Hilfe und Gastfreundschaft, sagte Aufwiedersehen und reiste weiter zu syrischen Grenze.