17. Nov. 07, 15:49
bi_geburtstädte
Am Morgen darauf ging es zum eigentlichen Ziel unserer Reise: Marias Geburtsort Wormditt (Orneta).
Während Rosenberg früher zu Westpreußen gehörte und evangelisch war, liegt Wormditt im Ermland (Warmia), einer alten Liebe Diözese, die sich vom frischen Haff quer durch Ostpreußen bis an die Masurische Seeenplatte erstreckt, und auch während der Reformation streng katholisch blieb. Die nördliche Ecke gehört nun zu Russland. Ursprünglich war das Gebiet der altpreußische Gau Warmien. Im Mittelalter siedelten im nördlichen Teil niederdeutsche, in der Mitte schlesischen Bauern. Um das 17. Jahrhundert standen polnische Bischöfe der Diözese vor, bis zum Einzug der Russen meist deutsche. Eine Zeit lang hieß es "Fürstbistum Ermland".- Der große Backsteindom in Wormditt war seit jeher mit katholischen Bischöfen besetzt.
Marias Vater war bei ihrer Geburt am 10.8.31 Diasporapfarrer der am Stadtrand gebauten kleineren evangelischen Kirche. Im zweistöckigen Pfarrhaus mit Garten hatte seine Familie im oberen Stockwerk eine geräumige Wohnung. Da es seit der Vertreibung keine deutschen (evangelischen) Menschen mehr im Ermland gab, gehörte die Kirche nebst Pfarrhaus nun einer orthodoxen Gemeinde.
Der Priester, der auch ein wenig Deutsch sprach, predigte meist auf polnisch. Hinter der Kirche unter hohen Bäumen lag der kleine Friedhof. Der Priester hatte im Erdgeschoss des Pfarrhauses sein Büro und eine kleine Wohnung für seine Familie mit Frau und Kind. Die übrigen Räume des Pfarrhauses wurden als Alten- und Kranken-Asyl genutzt. Im Hof hielten sie sich Hühner und Enten und ein paar Ziegen. Unsere Kinder konnten auf einem Rasenstück im Hof ihr Zelt aufbauen. Das Leben der wenigen Gemeindemitglieder , die wir sahen und mit denen wir uns kaum verständigen konnten, erschien uns recht armselig. Dagegen sah die Innenstadt Wormditts mit dem Dom auf dem großen Marktplatz doch besser aus und am Bahnhof, einem kleinen Knotenpunkt, herrschte reger Verkehr. Wir machten diverse Fotos von der Kirche und dem Pfarrhaus in dem Maria aufwuchs, bis sie sieben Jahre alt war. Dann wurde ihr Vater als Superintendent nach Königsberg versetzt und die Familie zog dorthin.--
Das wichtigste Ziel unserer Reise (Marias Geburtsort) war erreicht.
Nun ging die Fahrt wieder Richtung Westen, zuerst nach Braunsberg mit der Deutsch-Ordens-Burg, die später Bischofs-Burg wurde, mit einem Jesuiten-College, Priester-Seminar, höheren Schulen, der großen backstein-gotischen Hallen-Kirche Sankt Katherinen, ein Mittelpunkt katholischer Lehre. Zugleich auch Kreisstadt mit Rathaus und anderen historischen Verwaltungsgebäuden, ebenso Hafenstadt an dem schiffbaren Fluss Passarge, 7 km vom Frischen Haff entfernt, die 1284 des lübische Stadtrecht erhielt und Mitglied der Hanse wurde. Im Krieg wurden viele Teile der Innenstadt zerstört, nun aber schon im alten Stil z.Tl. wieder neu aufgebaut. Unsere Reise ging weiter nach Elbing, der großen Stadt an der Nogat (dem rechten Arm der Weichselmündung) Niederung.
Danach besichtigten wir natürlich auch die berühmte Marienburg.
Dann ging es nach Danzig, meiner Geburtsstadt.
Zuerst fuhren wir zu dem Haus, indem wir gewohnt hatten. Leider war es verschwunden.
Auf dem Grundstück war ein großer gepflasterter Autoparkplatz.
Wie man uns erzählte, wurde das Haus am Kriegsende von Russen abgebrannt.
Alle anderen Gebäude in der Umgebung standen noch und so, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Wir liefen eine Weile durch die Gegend und ich erzählte meinen Kindern von meinen ersten Lebensjahren.
Dann fuhren wir zur Marienkirche, dem gewaltigen Backstein-Dom. Wir liefen durch die wunderschön restaurierte Wollwebergasse, an der Mottlau entlang zum Krantor, zum Artushof und Rathaus am langen Markt und durch die Langgasse zum Stockturm.
Unsere Reise ging weiter nach Süden ins alte Schlesien.
In Breslau schauten wir uns den Marktplatz an mit dem historisch restaurierten Rathaus. Dann fuhren wir nach Hermsdorf unterm Kynast, wo ich als Kind oft meine Ferien bei den Großonkeln mütterlicherseits verbrachte.
Der 588 m hohe Kynast ist ein steiler bewaldeter Bergkegel, wo Herzog Bodo II. von Schweidnitz im 14. Jahrhundert auf den riesigen Granitfelsen an der Spitze eine Burg baute, die später die Herren von Schaffgottsch zu einer mächtigen Anlage mit eine kantigen Festungsmauer rundherum ausbauten. Im Jahre 1675 brannte die Burg nach einem Blitzschlag aus. Seitdem sind die Ruinen ein beliebtes Ausflugsziel. Der steile Fußweg dorthin beginnt direkt am Ortsrand.
Mein Großonkel Hermann, der Schuster, erzählte uns Kindern die Geschichte von dem stolzen Burgfräulein:
die Freier mussten auf ihrem Pferd auf der hohen Burgmauer ganz herum reiten, wenn sie erhört werden wollten. Roß und Reiter stürzten alle herunter und auf den steilen Felsen zu Tode. Als sie sich in einen Freier verliebte, ritt sie selber auf ihrem Pferd auf der ganzen Mauer wohlbehalten herum. Die beiden heirateten, waren glücklich und hatten viele Kinder. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.
Von Hermsdorf fuhren wir nach Krummhübel, wo wir mit der Seilbahn auf den Riesengebirgskamm fuhren, und den großen Kammweg nach Norden entlang marschierten, an denen Elbquellen vorbei, die nach Westen plätschern, und den vielen Bauden, bis hinter die Schneegruben, dann hinunter nach Oberschreiberhau, von dort mit dem Bus zurück nach Krummhübel, wo unser Auto parkte. -
Von da ab ging es durch die DDR wieder nachhause , denn ich hatte nur 4 Wochen Urlaub, und ohne meine Arbeitsstelle hätte ich nur schwer meine Familie selbst ernnähren können. Dabei half mir Maria aber sehr großzügig: sie verlangte kein Wirtschaftsgeld und bezahlte viele kleine Einkäufe von ihrem Teilzeit-Nachtschwestern-Lohn.
Während Rosenberg früher zu Westpreußen gehörte und evangelisch war, liegt Wormditt im Ermland (Warmia), einer alten Liebe Diözese, die sich vom frischen Haff quer durch Ostpreußen bis an die Masurische Seeenplatte erstreckt, und auch während der Reformation streng katholisch blieb. Die nördliche Ecke gehört nun zu Russland. Ursprünglich war das Gebiet der altpreußische Gau Warmien. Im Mittelalter siedelten im nördlichen Teil niederdeutsche, in der Mitte schlesischen Bauern. Um das 17. Jahrhundert standen polnische Bischöfe der Diözese vor, bis zum Einzug der Russen meist deutsche. Eine Zeit lang hieß es "Fürstbistum Ermland".- Der große Backsteindom in Wormditt war seit jeher mit katholischen Bischöfen besetzt.
Marias Vater war bei ihrer Geburt am 10.8.31 Diasporapfarrer der am Stadtrand gebauten kleineren evangelischen Kirche. Im zweistöckigen Pfarrhaus mit Garten hatte seine Familie im oberen Stockwerk eine geräumige Wohnung. Da es seit der Vertreibung keine deutschen (evangelischen) Menschen mehr im Ermland gab, gehörte die Kirche nebst Pfarrhaus nun einer orthodoxen Gemeinde.
Der Priester, der auch ein wenig Deutsch sprach, predigte meist auf polnisch. Hinter der Kirche unter hohen Bäumen lag der kleine Friedhof. Der Priester hatte im Erdgeschoss des Pfarrhauses sein Büro und eine kleine Wohnung für seine Familie mit Frau und Kind. Die übrigen Räume des Pfarrhauses wurden als Alten- und Kranken-Asyl genutzt. Im Hof hielten sie sich Hühner und Enten und ein paar Ziegen. Unsere Kinder konnten auf einem Rasenstück im Hof ihr Zelt aufbauen. Das Leben der wenigen Gemeindemitglieder , die wir sahen und mit denen wir uns kaum verständigen konnten, erschien uns recht armselig. Dagegen sah die Innenstadt Wormditts mit dem Dom auf dem großen Marktplatz doch besser aus und am Bahnhof, einem kleinen Knotenpunkt, herrschte reger Verkehr. Wir machten diverse Fotos von der Kirche und dem Pfarrhaus in dem Maria aufwuchs, bis sie sieben Jahre alt war. Dann wurde ihr Vater als Superintendent nach Königsberg versetzt und die Familie zog dorthin.--
Das wichtigste Ziel unserer Reise (Marias Geburtsort) war erreicht.
Nun ging die Fahrt wieder Richtung Westen, zuerst nach Braunsberg mit der Deutsch-Ordens-Burg, die später Bischofs-Burg wurde, mit einem Jesuiten-College, Priester-Seminar, höheren Schulen, der großen backstein-gotischen Hallen-Kirche Sankt Katherinen, ein Mittelpunkt katholischer Lehre. Zugleich auch Kreisstadt mit Rathaus und anderen historischen Verwaltungsgebäuden, ebenso Hafenstadt an dem schiffbaren Fluss Passarge, 7 km vom Frischen Haff entfernt, die 1284 des lübische Stadtrecht erhielt und Mitglied der Hanse wurde. Im Krieg wurden viele Teile der Innenstadt zerstört, nun aber schon im alten Stil z.Tl. wieder neu aufgebaut. Unsere Reise ging weiter nach Elbing, der großen Stadt an der Nogat (dem rechten Arm der Weichselmündung) Niederung.
Danach besichtigten wir natürlich auch die berühmte Marienburg.
Dann ging es nach Danzig, meiner Geburtsstadt.
Zuerst fuhren wir zu dem Haus, indem wir gewohnt hatten. Leider war es verschwunden.
Auf dem Grundstück war ein großer gepflasterter Autoparkplatz.
Wie man uns erzählte, wurde das Haus am Kriegsende von Russen abgebrannt.
Alle anderen Gebäude in der Umgebung standen noch und so, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Wir liefen eine Weile durch die Gegend und ich erzählte meinen Kindern von meinen ersten Lebensjahren.
Dann fuhren wir zur Marienkirche, dem gewaltigen Backstein-Dom. Wir liefen durch die wunderschön restaurierte Wollwebergasse, an der Mottlau entlang zum Krantor, zum Artushof und Rathaus am langen Markt und durch die Langgasse zum Stockturm.
Unsere Reise ging weiter nach Süden ins alte Schlesien.
In Breslau schauten wir uns den Marktplatz an mit dem historisch restaurierten Rathaus. Dann fuhren wir nach Hermsdorf unterm Kynast, wo ich als Kind oft meine Ferien bei den Großonkeln mütterlicherseits verbrachte.
Der 588 m hohe Kynast ist ein steiler bewaldeter Bergkegel, wo Herzog Bodo II. von Schweidnitz im 14. Jahrhundert auf den riesigen Granitfelsen an der Spitze eine Burg baute, die später die Herren von Schaffgottsch zu einer mächtigen Anlage mit eine kantigen Festungsmauer rundherum ausbauten. Im Jahre 1675 brannte die Burg nach einem Blitzschlag aus. Seitdem sind die Ruinen ein beliebtes Ausflugsziel. Der steile Fußweg dorthin beginnt direkt am Ortsrand.
Mein Großonkel Hermann, der Schuster, erzählte uns Kindern die Geschichte von dem stolzen Burgfräulein:
die Freier mussten auf ihrem Pferd auf der hohen Burgmauer ganz herum reiten, wenn sie erhört werden wollten. Roß und Reiter stürzten alle herunter und auf den steilen Felsen zu Tode. Als sie sich in einen Freier verliebte, ritt sie selber auf ihrem Pferd auf der ganzen Mauer wohlbehalten herum. Die beiden heirateten, waren glücklich und hatten viele Kinder. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.
Von Hermsdorf fuhren wir nach Krummhübel, wo wir mit der Seilbahn auf den Riesengebirgskamm fuhren, und den großen Kammweg nach Norden entlang marschierten, an denen Elbquellen vorbei, die nach Westen plätschern, und den vielen Bauden, bis hinter die Schneegruben, dann hinunter nach Oberschreiberhau, von dort mit dem Bus zurück nach Krummhübel, wo unser Auto parkte. -
Von da ab ging es durch die DDR wieder nachhause , denn ich hatte nur 4 Wochen Urlaub, und ohne meine Arbeitsstelle hätte ich nur schwer meine Familie selbst ernnähren können. Dabei half mir Maria aber sehr großzügig: sie verlangte kein Wirtschaftsgeld und bezahlte viele kleine Einkäufe von ihrem Teilzeit-Nachtschwestern-Lohn.















