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»mount st.helens«

bi_ mount.st.helens: aufstieg und ausbruch

Zwei Wochen später lernte ich ein etwa 10 Jahre älteres Ehepaar kennen, Bruno und Kathy Holz.
Sie wohnten seit einigen Jahren auf einer Hühner-Farm in einem neugebauten Wohnhaus auf den Wiesen unten im Flusstal.
Sie hatten auf einer großen Farm in Iowa gelebt und als ihre Tochter mit Mann die Farm übernahm, entschlossen sie sich, in den Westen zu ziehen (Go West).
Sie boten mir ein Zimmer in ihrem Haus an, und da ich ein Auto hatte, mietete ich mich gerne bei ihnen ein, zumal ich auch alle Mahlzeiten mit ihnen essen konnte.
Ab und zu half ich auch, die Eier in dem riesigen Hühnerstall einsammeln.

Etwa Mitte Juni an einem schönen Sonntag fuhr ich mit meinem Auto morgens die Straße an dem langen Gebirgs-Fluss bis zu dem See am Fuße des 3000 Meter hohen Vulkangipfels St.Helens und weiter den schmalen Forstweg hinauf bis zur Baumgrenze in über 2000 m Höhe.
Dort ließ ich mein Auto stehen und stapfte die Vulkan
hänge aufwärts bis zu der großen runden Kuppe, die noch mit einer etwa 20 m der WK geht klar Schneeschicht bedeckt war.
Ich hatte feste Schuhe an und einen Bergstock, aber sonst keine " alpine Ausrüstung".
Der Aufstieg war für mich nicht allzu anstrengend, nur ab und zu musste ich auf kleine Felsspalten aufpassen.
Kein Mensch weit und breit zu sehen, dafür eine herrliche Aussicht ringsum und nach Westen bis weit auf den pazifischen Ozean.
Nach einer Stunde Schauen schlitterte ich wieder hang- abwärts zu meinem Auto zurück und fuhr nachhause.
Diesen herrlichen Ausflug werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen.

15 Jahre später war der große Vulkanausbruch, bei dem der größte Teil der Gipfel-Spitze kilometerweit in nordöstlicher Richtung die niedrigeren Waldberge zuschüttelte und dann weiter durch die Druck und Hitzewelle den hohen Baum- bestand umknickte und verbrannte.
Der Berg ist heute nur noch ein hohler Krater aus dem ab und zu Dampf und kleine Eruptionen sprudeln.
Der ausgefranste stehengebliebene Rand ist an der höchsten Stelle 700 m niedriger als der alte Gipfel.
An der Nordostseite des Berges, wohin die Eruptionsmasse geschleudert und auch der Bergsee völlig überschüttet wurde-dieser liegt heute 200 m höher und ist größer und flacher als der alte See-klafft eine große Lücke im Kraterrand.
Dort ist die Lava auch kilometerweit in das alte Flusstal geschwemmt, so das es zum Teil höher liegt und einen anderen Verlauf hat als früher.

Auf einem Berg gegenüber der Lücke wurde ein großes Info-Zentrum gebaut, mit großer Empfangshalle, Aufenthaltsräumen und Toiletten für Touristen sowie Kinosaal und Videos über die Eruption des Vulkans. Natürlich auch gut asphaltierte Zufahrtsstraßen, Parkplätze, Camping-Lager und W.C.s. Auch einen Helikopterservice gibt es, mit dem man in den Krater hinein fliegen und ihn aus der Luft anschauen kann.-

bi_refugee (relief act)

Im März 1953 wurde der Refugee Relief Act
(Flüchtlings Hilfs Gesetz) in den U.S. Kongress eingebracht, mit dem eine halbe Million Heimatvertriebene aus den deutschen, von Polen annektierten, Ostgebieten ohne Bürgen und ohne Quoten in die U. S. A. einwandern könnten, terminiert bis zum 31. März 1957.
Es dauerte aber bis Oktober 1956 ehe der R.R.A. (parlamentsüblich) Gesetz wurde.
In Westdeutschland, wo wir Heimatvertriebenen einen speziellen grünen Ausweis (ähnlich dem Personalausweis) besaßen, hatten sich 500.000 meist junge Menschen gemeldet und waren nach Befragung durch ein U.S. Konsulat akzeptiert worden, darunter auch meine Schwester Ilse und ich.
Also konnte man die Überfahrt nach U. S. A. erst im Oktober organisieren.
Da es damals noch keine Jets gab, die im Shuttle-Flug diese Transportleistung innerhalb von fünf Monaten leisten konnten, hat man einen längst eingemotteten Truppen- Transporter aus dem Krieg wieder eingesetzt.
Meine Schwester ist im Januar 1957 mit dem Schiff 10 Tagelang von Bremen nach New York unterwegs gewesen, meist bei hohem Seegang mit vielen Familien und kleinen Kindern in Hängematten unter Deck, viele see-
krank.

Ich hatte mehr Glück und flog Anfang Februar mit einem Turbo-Jet von Hamburg mit Zwischenlandung in Island und Neufunfland nach New York, schneller und bequemer als Ilse.
-Später behauptete ich jemand, bis zum 31. März 1957 seien nur gut 350.000 Einwanderer unter dem R.R.A. in die USA gelangt.-
Die U. S. Behörden hatten auch keine Organisation, um so vielen Leuten schnell Wohnung und Arbeit zu besorgen.
So wurden wir zu Kirchengemeinden in Gegenden gesandt, in denen man uns beruflich schnell vermitteln konnte.

Ilse kam nach Denver und ich, als gelernter „ Holzwurm“, nach Longview im Staat Washington an der nordwestlichen Küste.
In den Wäldern des Kaskadengebirges ist dort eines der wichtigsten Holzindustriegebiete der USA.
Der Vorsteher der dortigen lutherischen (evangelischen) Kirchengemeinde war zugleich Personalchef des großen Holzwerkes der Firma Weyerhäuser, einer der drei größten Holz-Firmen der U. S. A..Wally Pettersen und seine Frau waren schwedischer Herkunft, und nahmen mich in ihrem großen Einfamilienhaus in der Nähe des Werkes auf wie einen guten Freund.
Ich durfte im Zimmer des ältesten Sohnes, der im Osten studierte, schlafen und wurde in den ersten Tagen auch bei ihnen verköstigt.
Wally half mir bei allen nötigen Anmeldungen und besorgte mir einen Job als Zeichner im Forstamt der Firma, das im Headquarters Camp mitten im bergigen Waldgebiet in der Nähe des Mount St.Helens lag, etwa 25 km von Longview entfernt.
Dort schlief ich im Waldarbeiterschlafsaal und aß in der Kantine.
Im Forstamtbüro auf dem Camp hatte ich ein Zimmer mit einem großen Zeichentisch.
Mit dem Förstern und dem Oberförster verstand ich mich gut, einige von ihnen waren deutscher Herkunft und einer sprach sogar noch ein wenig Deutsch.
Sie wohnten alle in schönen Einfamilienhäusern in Longview und Kelso, und fuhren jeden Tag mit ihren Geländewagen ins Camp.
Die Arbeit machte mir Spaß, da ich gerne zeichne und auch oft mit den Förstern in den Wald fuhr, um Baum-Flächen in den Square Miles zu vermessen.
Am Wochenende war ich wieder bei Pettersens eingeladen, und Wally verkaufte mir das alte braune Chevy Coupe seines Sohnes für 100 $.
Mein erstes eigenes Auto und ich war motorisiert.