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»muskelschwund«

--BI.--alltag

Am Donnerstag , den 26. Juni 86, fuhr ich mit meinem Auto in der Frühe nach Mannheim, um an der Hauptversammlung der B.A.S.F. im Feierabendhaus teilzunehmen. Es war wie jedes Jahr ein interessantes und unterhaltsames Aktionärstreffen. Abends fuhr ich wieder nachhause. –

Am Montag, den 28. Juli, hatte ich einen Untersuchungstermin bei dem bekannten Nervenarzt und Psychiater in Erlangen, Dr. Hennig.
Mit einer Gehirn-Untersuchung wollte er eine eventuelle Ursache meines Muskelschwunds herausfinden; aber ohne Befund. ---

Während meines nun schon sechsjährigen Rentnerdaseins hatte ich immer genug Beschäftigung und Abwechlung und nie die geringste Langeweile. Ich radelte viel durch die nähere und weitere Umgebung. Auch im Garten gab es genug Arbeit. Im Sommer fuhr ich auch häufig mit dem Fahrrad zu den umliegenden Weihern und Baggerseen schwimmen.--- Da unsere Kinder nun fast alle volljährig waren, unternahm ich auch immer öfter längere Reisen.-

bi_Stalin-Orgel

Am Dienstag den 6. Mai 1986 hatte ich einen Termin in der Würzburger Uniklinik, zur weiteren Aufklärung meiner Muskelschwund Diagnose, wo eine Oberschenkelbiopsie (Gewebeentnahme mittels Punktion) gemacht wurde. Eigentlich wollte der Arzt den kleinen Eingriff an meinem linken Oberschenkel vornehmen, aber als er dort die Narbe von dem großen Kratzer beim Stalin-Orgel Beschuss im Juni 1943 bei Kursk sah, entschied er sich wegen der Möglichkeit, daß dort noch ein kleiner verkapselter Splitter stecken könnte, für den rechten Oberschenkel.-

Mein Schulfreund Dr. Harald Mackh (gen. Pater), damals noch Amtsrichter für Familienangelegenheiten in Würzburg lud mich mit seiner Frau Eva in ihrer Wohnung nachmittags zum Essen und Kaffeetrinken ein. Nach fröhlicher Unterhaltung beim selbstgekelterten Apfelmost fuhr ich abends wieder nachhause.

bi_infusionskur

Unser jüngster Sohn Christian besuchte die Hauptschule in Igelsdorf und stand 1984 vor dem Hauptschulabschluss.
Er wollte aber auf keinen Fall weiter eine Schule besuchen, sondern einen Beruf im Holzfach erlernen.
Glücklicherweise fand er eine Lehrstelle in der Bubenreuther Schreinerei Protze.
So konnte er weiter zuhause wohnen und machte nach drei Jahren seine Gesellenprüfung.-
Von Januar bis Dezember 1987 absolvierte er seinen Bundes dienst bei der Flak in Regensburg.(Erst später erfuhr er, dass er als dritter Sohn einer Familie sich vom Wehrdienst hätte befreien lassen können, da seine beiden älteren Brüder schon vorher ihren Wehrdienst absolviert hatten.)
Danach arbeitete er in Tischlereien in Bamberg und Coburg und war das erste unserer Kinder, das einen guten eigenen Monats-Lohn verdiente.---

Im März 86 machte ich zur Muskelschwund-Therapie stationär eine dreiwöchige Infusionskur in der Heilanstalt des Diakonischen Werks Rummelsberg 2 in Schwarzenbruck, wozu mir einige Ärzte geraten hatten, leider ohne Erfolg.---

bi_fitnesstraining

Im Januar 86 lag auf den Feldern um Bubenreuth, wie damals öfter zur Winterszeit, noch genügend Schnee zum Skilanglauf, was ich auch häufig für meine körperliche Fitness nutzte.
Da gleich hinter unserm Nachbarhaus Wiesen und Felder beginnen, konnte ich schon an der Haustür meine Skier anschnallen und lief dann 5 bis 6 km um den Hangwald nördlich von Bubenreuth zwischen Bräunigshof und Igelsdorf eine große Schleife.
Die Straßen waren aber meist vom Schnee geräumt und trocken. So konnte ich auch mit dem Fahrrad im Ort, wo es noch vier oder fünf Bauernhöfe gibt, herumfahren und Besorgungen machen.
Alle zwei Tage holte ich auf dem nächsten Hof 2 l frische Milch für die Familie.
Natürlich musste ich auch öfter auf dem langen Bürgersteig um unser Eckgrundstück Schnee schippen -

Leider merkte ich damals schon, dass meine Beinkraft langsam nachließ, ich z.B. nicht mehr sicher zwei Treppenstufen rauf oder runter springen konnte.
Der Orthopäde in Erlangen schickte mich in die Kopf-Klinik zur neurologischen Ambulanz. Dort wurde eine spinale Muskelatrophie diagnostiziert, also ein durch das Rückgratnervensystem verursachter Beinmuskelschwund. Der leitende Professor Druschky sagte mir gleich, daß es für Nervenleiden so gut wie keine medizinischen Heilungsmöglichkeiten gibt.-

Mitte Januar fuhr ich mit meinem Passat Variant und meinen Söhnen in den Wald Brennholz holen, das man beim Förster Ster-weise kaufen kann.
Ein Ster ist ein (Kubik-)Raummeter 1 m lange Rundholzstücke, die man beim Baum Fällen aus den langen Baumstämmen herausschneidet, da diese Abschnitte für Nutzholz nicht geeignet sind.
Sie wurden dann im Wald in großen Würfeln für Selbstabholer gestapelt.
Da die Heinlein-Fertighäuser noch vor der ersten Ölkrise gebaut worden und die Außenwände nicht gut Wärmeisoliert waren, hatten wir in die Mitte unseres Hauses einen großen Kachelofen einbauen lassen.
Unsere drei Söhne waren nun auch groß genug, um mir beim Brennholz-Transport helfen zu können.
Zuhause zersägte und zerhackte ich die Baumstücke in Handarbeit (Fitnesstraining) und stapelte das Brennholz an der Hauswand zum Trocknen auf.-

Am Donnerstag, d. 30. Januar 86 fuhr ich mit dem Auto nach Berlin, um, wie schon in den letzten Jahren, die Grüne in die Herr Woche zu besuchen.
Mein Vetter Gunter wohnte damals noch in seinem Gartenhaus in der großen Schrebergartenkolonie an der Spandauer Chaussee, wo ich auch übernachten konnte. Zwei Tage lang lief ich durch die Messehallen, spazierte und radelte bei schönem Wetter am Wochenende durch Charlottenburg und fuhr am Sonntag nachmittag wieder nachhause.

--- Noch den ganzen Februar über lag auf den Feldern genug Schnee für meine Ski-Langläufe.---