13. Sep. 08, 10:00
bi_auf malta mit dem rad
Am 14. Mai 1988 flog ich von München für eine Woche nach Malta.
Christian fuhr mich mit meinem Auto zum Münchener Flughafen und holte mich dort auch wieder ab.
Da ich nur einen kleinen Rucksack mitnahm, konnte ich mein gelbes Klapprad im zulässigen Fluggepäck kostenlos mitnehmen. Also begann meine Radtour über die Insel und zur kleinen Nachbarinsel Gozo direkt am Flugplatz.
Es fing gut an - nach 5 Kilometern war mein Vorderreifen platt. Aber ich hatte Notwerkzeug, Flickzeug und Luftpumpe dabei. Ich lehnte mein Radl an ein altes Mäuerchen neben der Straße und war nach einer halben Stunde wieder marschbereit.
Wie in Südafrika hatte ich Glück: während der ganzen Reise kein Regen und meist Sonnenschein. Auf der guten Asphaltstraße mit wenig Verkehr radelte ich gemütlich durch den Ort Mosta und die fruchtbare Landschaft zum Städtchen Mellieha, wo ich in einer sauberen Herberge in einem Vierbettzimmer eine billige Übernachtungs-möglichkeit fand.
Als einziger Gast in meiner Schlafstube im ersten Stock konnte ich in der Dämmerung aus dem Fenster dem abendlichen Leben und Treiben in der Kleinstadt zuschauen. Neben den schummrigen Straßenlaternen leuchteten an vielen Stellen Kerzen und Öllampen. In der Nähe spielte eine kleine Straßenkapelle und nah und fern hörte man Volkslieder und andere Musik.
Am nächsten Morgen radelte ich die 4 km hinunter zum kleinen Hafenort Marfa am Nord-West Zipfel Maltas an der nur gut 5 km breiten Meerenge zwischen den Malteser Inseln. Von dort ging mehrmals am Tag eine kleine Fähre für Fußgänger und Radfahrer kostenlos mit kurzem Zwischenstopp an dem Mini- Inselchen Comino hinüber zum Hafenort Mgarr auf der Schwesterinsel Gozo.
Dort radelte ich auf der Asphaltstraße leicht bergauf zum Dörfchen Nadur wo ich bei einer Familie in ihrem Bauernhaus eine Dachkammer mit leinenbezogenen Bett nebst Nachttisch mit Lampe fand.
Soviel ich mich erinnere, zahlte ich dafür umgerechnet nur zwei DM pro Nacht und bekam dazu noch gratis eine Tasse heiße Schokolade morgens und abends.-
Gozo ist etwa 12 km lang und 6 km breit, also viel kleiner als Malta. Etwa 30.000 Einwohner, 7000 davon in der Inselhauptstadt Victoria, die auch Bischofsitz ist.-
Ich radelte am selben Morgen gleich dorthin, wo ich in einem Supermarkt Marschverpflegung einkaufte. Nur fünf km weiter auf guten Fahrradwegen war ich am Nordwestende von Gozo, wo die Mittelmeerwellen gegen das felsige Steilufer plätschern.
Weit und breit waren weder Häuser noch Menschen zu sehen. Im warmen Sonnenwetter genoss ich Stille und Einsamkeit und den weiten Blick aufs Meer und verzehrte meine Käsebrote. Eine Flasche mit Wasser hatte ich immer in meinem Brotbeutel dabei. Nach der Mittagspause radelte ich zurück nach Viktoria und von dort auf der kleinen Asphaltstraße nach Marsalforn, einem Fischerdörfchen am Nordufer von Goso.
Da auf Malta Englisch neben Maltesisch amtliche Landessprache ist, unterhielt ich mich auch dort mit den Fischern, wo damals noch kaum Touristen zu sehen waren. Es gibt auch viel Landwirtschaft auf der Insel (Getreide, Baumwolle und Viehzucht) und Spitzenklöppelei. Als ich abends müde in mein Nachtquartier kam, war es schon dunkel und nach einer Käsestulle zum Kakao ging ich schlafen.
Am nächsten Tag erkundete ich dann den Südteil der Insel. Dieser ist von einer über 100 m hohen Hügelkette durchzogen (der höchste Berg 190 m hoch), so dass ich von Victoria aus auf der schmalen, kurvigen Bergstraße ordentlich in die Pedale treten musste. Von der Höhe hatte man eine herrliche Aussicht auf die Insel und das Meer. Außerdem gibt es dort oben jungsteinzeitliche Kultbauten der Torre dei Giganti (damals waren die Inseln wohl schon dicht besiedelt mit hoch- stehender Kultur), die durch Einwanderer aus Süditalien um 1500 v. Chr. vernichtet wurde. Daneben waren, umgeben von einer manshohen Mauer, moderne Ferienclubhäuser in großen, gepflegten Parkanlagen, durch die ich als Besucher spazieren durfte.-
Während Malta in vorchristlicher Zeit ausschließlich von Arabern bewohnt war, sind die Malteser heute ein Mischvolk aus frühen Bewohnern, Sizilianern, Italienern, Franzosen und Engländern, wobei das romantische Element im Volkstum überwiegt, und fast ausschließlich katholisch ist.-
Kein EU-Land hat in seiner Geschichte so viel kriegerische Besucher gehabt wie Malta.
Phönizier und Karthager beherrschten die Inseln, seit 21 will 8 v. Chr. waren sie römisch, nach 395 n.Chr. oströmisch. In der Völkerwanderungszeit wurden sie von Wandalen, dann von Ostgoten besetzt, 533 für das Byzantinische Reich zurückerobert.
Die arabische Herrschaft (870 bis 1090) beeinflusste nachhaltig Volkstum und Sprache. 1090 eroberte Graf Roger von Sizilien die Inselgruppe aber erst nach 1240 unter Friedrich II wurden die Araber vertrieben. Selbst der Johanniter- Orden, 1530 von Kaiser Karl V. als Lehnsherr eingesetzt, der heute bei uns Hilfsdienste für die Menschen leistet, kämpfte auf Malta gegen die Türken. Sein Großmeister J. DE LA VALETTE gründete 1566 die Hauptstadt Valetta. 1798 kam Napoleon, im Pariser Frieden 1804 wurde Malta britische Kronkolonie, und erst am 21.9. 1964. unabhängiges Mitglied des Commonwealth.--
Ich blieb bis zum späten Nachmittag dort oben, radelte dann noch zum Kap Wardija und durch Viktoria und das Dorf Xaghra nach Nadur zu meiner schönen Schlafkammer. Am nächsten Morgen bestieg ich in Mgarr die große Autofähre, die von dort einmal täglich direkt nach Valetta und zurück fährt. Nach einer Stadtrundfahrt radelte ich von dort durch den Südosten der Insel, wo es viele Gärtnereien und Gewächshäuser gibt. Am langen Badestrand der großen Bucht Marsa Scirocco, nebst gleichnamiger Stadt, waren in der Mittagssonne Wasser und Luft genug erwärmt, um in beiden Medien ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Erst am Nachmittag radelte ich weiter zur Küste im Südwesten, die vom meist flachen Agrarland Maltas - die höchte Erhebung beträgt 253 m.ü.M. - als felsiges Steilufer um die ganze Insel herum ins Meer fällt, unterbrochen von kleinen Sandbuchten oder guten Naturhäfen.
Christian fuhr mich mit meinem Auto zum Münchener Flughafen und holte mich dort auch wieder ab.
Da ich nur einen kleinen Rucksack mitnahm, konnte ich mein gelbes Klapprad im zulässigen Fluggepäck kostenlos mitnehmen. Also begann meine Radtour über die Insel und zur kleinen Nachbarinsel Gozo direkt am Flugplatz.
Es fing gut an - nach 5 Kilometern war mein Vorderreifen platt. Aber ich hatte Notwerkzeug, Flickzeug und Luftpumpe dabei. Ich lehnte mein Radl an ein altes Mäuerchen neben der Straße und war nach einer halben Stunde wieder marschbereit.
Wie in Südafrika hatte ich Glück: während der ganzen Reise kein Regen und meist Sonnenschein. Auf der guten Asphaltstraße mit wenig Verkehr radelte ich gemütlich durch den Ort Mosta und die fruchtbare Landschaft zum Städtchen Mellieha, wo ich in einer sauberen Herberge in einem Vierbettzimmer eine billige Übernachtungs-möglichkeit fand.
Als einziger Gast in meiner Schlafstube im ersten Stock konnte ich in der Dämmerung aus dem Fenster dem abendlichen Leben und Treiben in der Kleinstadt zuschauen. Neben den schummrigen Straßenlaternen leuchteten an vielen Stellen Kerzen und Öllampen. In der Nähe spielte eine kleine Straßenkapelle und nah und fern hörte man Volkslieder und andere Musik.
Am nächsten Morgen radelte ich die 4 km hinunter zum kleinen Hafenort Marfa am Nord-West Zipfel Maltas an der nur gut 5 km breiten Meerenge zwischen den Malteser Inseln. Von dort ging mehrmals am Tag eine kleine Fähre für Fußgänger und Radfahrer kostenlos mit kurzem Zwischenstopp an dem Mini- Inselchen Comino hinüber zum Hafenort Mgarr auf der Schwesterinsel Gozo.
Dort radelte ich auf der Asphaltstraße leicht bergauf zum Dörfchen Nadur wo ich bei einer Familie in ihrem Bauernhaus eine Dachkammer mit leinenbezogenen Bett nebst Nachttisch mit Lampe fand.
Soviel ich mich erinnere, zahlte ich dafür umgerechnet nur zwei DM pro Nacht und bekam dazu noch gratis eine Tasse heiße Schokolade morgens und abends.-
Gozo ist etwa 12 km lang und 6 km breit, also viel kleiner als Malta. Etwa 30.000 Einwohner, 7000 davon in der Inselhauptstadt Victoria, die auch Bischofsitz ist.-
Ich radelte am selben Morgen gleich dorthin, wo ich in einem Supermarkt Marschverpflegung einkaufte. Nur fünf km weiter auf guten Fahrradwegen war ich am Nordwestende von Gozo, wo die Mittelmeerwellen gegen das felsige Steilufer plätschern.
Weit und breit waren weder Häuser noch Menschen zu sehen. Im warmen Sonnenwetter genoss ich Stille und Einsamkeit und den weiten Blick aufs Meer und verzehrte meine Käsebrote. Eine Flasche mit Wasser hatte ich immer in meinem Brotbeutel dabei. Nach der Mittagspause radelte ich zurück nach Viktoria und von dort auf der kleinen Asphaltstraße nach Marsalforn, einem Fischerdörfchen am Nordufer von Goso.
Da auf Malta Englisch neben Maltesisch amtliche Landessprache ist, unterhielt ich mich auch dort mit den Fischern, wo damals noch kaum Touristen zu sehen waren. Es gibt auch viel Landwirtschaft auf der Insel (Getreide, Baumwolle und Viehzucht) und Spitzenklöppelei. Als ich abends müde in mein Nachtquartier kam, war es schon dunkel und nach einer Käsestulle zum Kakao ging ich schlafen.
Am nächsten Tag erkundete ich dann den Südteil der Insel. Dieser ist von einer über 100 m hohen Hügelkette durchzogen (der höchste Berg 190 m hoch), so dass ich von Victoria aus auf der schmalen, kurvigen Bergstraße ordentlich in die Pedale treten musste. Von der Höhe hatte man eine herrliche Aussicht auf die Insel und das Meer. Außerdem gibt es dort oben jungsteinzeitliche Kultbauten der Torre dei Giganti (damals waren die Inseln wohl schon dicht besiedelt mit hoch- stehender Kultur), die durch Einwanderer aus Süditalien um 1500 v. Chr. vernichtet wurde. Daneben waren, umgeben von einer manshohen Mauer, moderne Ferienclubhäuser in großen, gepflegten Parkanlagen, durch die ich als Besucher spazieren durfte.-
Während Malta in vorchristlicher Zeit ausschließlich von Arabern bewohnt war, sind die Malteser heute ein Mischvolk aus frühen Bewohnern, Sizilianern, Italienern, Franzosen und Engländern, wobei das romantische Element im Volkstum überwiegt, und fast ausschließlich katholisch ist.-
Kein EU-Land hat in seiner Geschichte so viel kriegerische Besucher gehabt wie Malta.
Phönizier und Karthager beherrschten die Inseln, seit 21 will 8 v. Chr. waren sie römisch, nach 395 n.Chr. oströmisch. In der Völkerwanderungszeit wurden sie von Wandalen, dann von Ostgoten besetzt, 533 für das Byzantinische Reich zurückerobert.
Die arabische Herrschaft (870 bis 1090) beeinflusste nachhaltig Volkstum und Sprache. 1090 eroberte Graf Roger von Sizilien die Inselgruppe aber erst nach 1240 unter Friedrich II wurden die Araber vertrieben. Selbst der Johanniter- Orden, 1530 von Kaiser Karl V. als Lehnsherr eingesetzt, der heute bei uns Hilfsdienste für die Menschen leistet, kämpfte auf Malta gegen die Türken. Sein Großmeister J. DE LA VALETTE gründete 1566 die Hauptstadt Valetta. 1798 kam Napoleon, im Pariser Frieden 1804 wurde Malta britische Kronkolonie, und erst am 21.9. 1964. unabhängiges Mitglied des Commonwealth.--
Ich blieb bis zum späten Nachmittag dort oben, radelte dann noch zum Kap Wardija und durch Viktoria und das Dorf Xaghra nach Nadur zu meiner schönen Schlafkammer. Am nächsten Morgen bestieg ich in Mgarr die große Autofähre, die von dort einmal täglich direkt nach Valetta und zurück fährt. Nach einer Stadtrundfahrt radelte ich von dort durch den Südosten der Insel, wo es viele Gärtnereien und Gewächshäuser gibt. Am langen Badestrand der großen Bucht Marsa Scirocco, nebst gleichnamiger Stadt, waren in der Mittagssonne Wasser und Luft genug erwärmt, um in beiden Medien ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Erst am Nachmittag radelte ich weiter zur Küste im Südwesten, die vom meist flachen Agrarland Maltas - die höchte Erhebung beträgt 253 m.ü.M. - als felsiges Steilufer um die ganze Insel herum ins Meer fällt, unterbrochen von kleinen Sandbuchten oder guten Naturhäfen.