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--BI---Südamerikareise

Am 2. Februar 89 flog ich von Frankfurt nach Bogota in Kolumbien zu einer dreiwöchigen Südamerikareise mit einer Touristengruppe, da ich weder Spanisch noch Portugiesisch kann.
Bogota ist mit knapp 2 Millionen Einwohnern Hauptstadt der Republick Kolumbien, auf einer baumlosen Hochebene der Anden 2640 m ü.M. gelegen. Die Stadt liegt am Fuße der steil aufsteigenden Bergzüge Monserrate (3165 m) und Guadelupe, die von Wallfahrtskapellen gekrönt sind.
Bogota ist Sitz des Staatspräsidenten, der Regierung, des Parlaments und eines katholischen Erzbischofs. Es gibt zwei Universitäten, Natur- und Kunst- Museum, Sternwarte, Botanischen Garten, Nationalbibliothek, Militärakademie und viele andere öffentliche Einrichtungen. Die Stadt ist Verkehrs-Knotenpunkt und Handelsmittelpunkt des Landes, ebenso wichtiger Industrie-Standort.
Wegen Erdbebengefahr wurden früher nur einstöckige Stein und Lehmhäuser errichtet. Heute gibt es moderne viel-stöckige Stahlbetonbauten.
Vom Flughafen wurden wir per Bus in ein einfaches Hotel gebracht, wo wir zweimal übernachteten.
In der Nähe gab es eine große Stierkampf-Arena.
Es war später Nachmittag und ich machte noch einen Spaziergang dorthin. Da gerade eine Schau beendet war, strömten mir die Zuschauermassen entgegen. Mir schien, als hätte ich noch nie in einer Menschenmenge die Gesichtszüge und Hautfarben so viel unterschiedlicher Rassen gesehen.- Erst seit Kolumbus mischten sich zahllose meist südeuropäische Einwanderer mit den Menschen der alten Hochkulturen Südamerikas.-
Am nächsten Morgen machten wir eine Busfahrt hinunter in seine breite fruchtbare Talebene westlich von Bogota, wo wir u.a. eine große Blumenfarm besichtigten, die Schnittblumen, vor allem Rosen, für den Export nach Europa produziert.-
Kolumbien ist gut dreimal so groß wie Deutschland, die Hälfte des Landes im Quelltiefland des Rio Negro, Hauptzufluß des Amazonas. Zwischen Äquator und 10. Grad nördlicher Breite gelegen, gibt es kaum jahreszeitliche Unterschiede in der Tropen- Lage. Die Mehrzahl der über 37 Millionen Einwohner lebt in den Hochebenen der nördlichen Anden-Ausläufer, da dort ein erträglicheres Klima herrscht.
Am Nachmittag noch eine Busrundfahrt durch Bogota.--

Am nächsten Morgen ging es per Flugzeug nach Lima, der Hauptstadt Perus.
Das Land ist noch etwas größer als Kolumbien, 1/3 davon im Anden Gebirge mit einer schmalen 2200 Kilometer langen meist wüstenhaften Küstenebene am Pazifik, ebenso wie das Hochland La Montana im Osten der Anden.
Der vergletscherte Doppelgipfel der Nevada de Huascaran ist mit 6768 m und 6655 m der höchste Berg der tropischen Anden. 1/3 im Nordwesten gehört zum tropischen Quellgebiet des Amazonas. Peru hat über 15 Millionen Einwohner, die Mehrheit davon Indios. In Lima machten wir einen Stadtrundgang und dann eine Busfahrt zu einer großen Indiosiedlung in der Nähe der Hauptstadt, einem Sozial-Projekt des damaligen Staatspräsidenten japanischer Herkunft. Am nächsten Tag flogen wir nach Cusco, eine Departementshauptstadt mit 70.000 Einwohnern, darunter ihre Indios,, und viel Touristenverkehr im Anden Hochland.
In der Umgebung gibt es einige alte Inka Anlagen und vor allem die besterhaltene in Macho Picchu. Sie wurde erst 1911 von Hiram Bingham entdeckt. Die Ruinenstadt liegt hoch über dem Urumbatal in einer Mulde zwischen zwei Berggipfeln an der Grenze des Machtbereiches der Inkas. M.P. umfasst Tempel, Opferstätten, eine Sonnenwarte, Behausungen für etwa 10.000 Menschen und umfangreiche Feldbauterrassen, jedoch keine Befestigungsanlagen. Ihre Entstehungszeit ist unbekannt.- Wir fuhren in einem kleinen Personenzug auf einer einspurigen Eisenbahnlinie, die sich in steilen Spiralen von Cusco in das angrenzende Bergland hochschlängelt und dann durch das Urumbatal bis zur Haltestelle direkt unterhalb von Macho Picchu. Von dort wurden wir in einem kleinen Bus auf der steilen engen Schotterstraße zum Eingang hochgefahren. Die ganze Reise dauerte etwa zwei Stunden. Dann kletterten wir weitere zwei Stunden über zahllose Stufen durch die verfallene Inkastadt zu einer gründlichen Besichtigung der ganzen Ruine, wonach wir noch in einem kleinen Amphitheater dem Vortrag unseres Reiseführers zuhörten. Dann im Bus auf der schmalen Schotterstraße in zackigen Serpentinen hinunter zum Bahnhof, wobei einige von uns zu Fuß den Kletterpfad zwischen den Kurvenecken hinuntersprangen und längst vor dem Bus unten waren. Per Bahn zurück nach Cusco.
Cusco, auf 3380 m Höhe gelegen, war in vorspanischer Zeit Hauptstadt des Inkareiches; 1533 durch Pizarro erobert und zwei Jahre später durch den Inka Manco Capac niedergebrannt. Auf den mächtigen Trümmern bauten die Spanier die neue Stadt auf. Es ist Sitz eines katholischen Erzbischofs und einer 1795 gegründeten Universität, hat viele Kirchen und Klöster aus der spanischen Kolonialzeit.- Am nächsten Morgen spazierte unsere Touristengruppe durch die Stadt, um uns die schönen alten Gebäude anzuschauen. Einige Meter vor mir lief ein älteres Ehepaar, der Mann trug eine Reisetasche in der Hand. Plötzlich fiel der Inhalt aus dem Taschenboden auf die Erde. Blitzschnell klaubten ein paar kleine Jungens alles auf und verschwanden damit auf Nimmerwiedersehen. Einer von ihnen hatte zuvor genauso schnell und unbemerkt mit einem scharfen Messer den Taschenboden aufgeschlitzt. Fortan passten wir scharf auf unsere Siebensachen auf.-

Am nächsten Tag fuhren wir mit der Eisenbahn nach Puno. Durch ein breites Andental ging die Fahrt über einen flachen Hochgebirgspaß in eine lange Talebene mit einem Bach, der in den Titicacasee mündet. Die etwa 400 km lange Reise in großen Aussichtswagen dauerte wegen der geringen Durchschnittsgeschwindigkeit und vielen Stops an Indio-Dörfern den ganzen Tag lang, war aber bei strahlendem Sonnenschein ein schönes Erlebnis.
Am späten Abend fuhren wir in den Bahnhof von Puno ein, dem Endpunkt der Bahnlinie, wo wir in einem kleinen Hotel übernachteten.
Der Titicacasee ist mit 8300 km² der größte Hochlandsee der Erde, 3812 m ü.M., 17mal so groß wie der Bodensee. Etwa 3/5 des Sees im Westen und Norden gehören zu Peru, der Rest im Süden und Südosten zur Bolivien. Im Andenhochland südöstlich des Titicacasees in Bolivien finden sich Spuren des Tiatianaco-Kults aus der Vorinka-Zeit im ersten Jahrtausend n.Chr. auf einem Gebiet fast so groß wie Deutschland.-
Puno, Hauptstadt des gleichnamigen Departements, das überwiegend von Indios bewohnt ist, die in ihren Dörfern auf kleinen Äckern althergebrachten Hochgebirgsackerbau (auch Koka) und Viehzucht betreiben und am See auch vom Fischfang leben. Ihre bunten Trachten sind für Touristen sehenswert. Die Stadt Puno liegt an einer Bucht des Titicacasees, hat etwa 30.000 Einwohner, eine technische Universität und einen katholischen Bischof.-
Am nächsten Morgen fuhren wir in einem Ausflugsboot mehrere Stunden lang am Seeufer entlang und sahen dem Fischfang der Indios zu.- Der Titicacasee hat auf dem Andenhochland von Bolivien einen Abfluss zu dem über 200 km südlich gelegenen Pooposee, von dem es keinen Abfluss gibt, obwohl er aus weiteren Seen Zufluss hat. Der Wasserstand der Hochlandseen wird durch die Verdunstung bei der Sonneneinstrahlung konstant gehalten.-
Am Nachmittag fuhren wir mit der großen Personenfähre von Puno nach Guaqi in Bolivien am Südende des Titicacasees, den Eisenbahnendstationen in Peru und Bolivien, der einzigen großen Verkehrsverbindung zwischen den beiden Staaten, dann mit der Bahn nach La Paz, der bolivianischen Hauptstadt. Dort am nächsten Morgen im Bus eine Stadtrundfahrt und nachmittags durch Indiodörfer der Umgebung.-
Am nächsten Tag flogen wir mit einer kleinen Verkehrsmaschine über die Anden und das Paraguay-Flußland in die Hauptstadt Asuncion. Von dort gleich weiter per Bus in eine kleine Stadt am Paranafluß. Am nächsten Morgen liefen wir vom Hotel zum Hafen. Von dort ging es flussaufwärts in einem kleinen Ausflugsdampfer zu den berühmten Wasserfällen von Iguacu.
Unterhalb das Wasserfalls bildete der Fluss einen großen See auf dem unser Schiff lange umherkreuzte, so dass wir die herabstürzenden Wassermassen aus einigen 100 m Entfernung ausgiebig anschauen konnten.
Nach diesem Tagesausflug ging es zurück nach Asuncion, von wo wir am nächsten Tag mit einer Verkehrsmaschine nach Rio de Janeiro flogen.- Dort wurden wir in einem großen Hotel in der Nähe des Copacabana-Strands einquartiert. Unsere Gruppe bekam einen lokalen Fremdenführer, einen fröhlichen jungen Mann, der in einer deutschen Kolonie südlich von Rio de Janeiro zuhause war. Außer Portugiesisch und Englisch sprach er erstklassigen schwäbischen Dialekt, obwohl er nie in Deutschland war und dort keine Verwandten kennt. Seine Maxime war : Man darf die Dinge nicht so tragisch nehmen und das Leben fröhlich genießen.- Wir blieben zwei Tage in Rio, hatten auch Gelegenheit, im Atlantik zu baden, besichtigten Favelas, fuhren mit der Zahnrad- bahn hinauf zur 38 m hohen Christus-Figur auf dem 704 m hohen Corcovado und im Bus eine mehrstündige Stadtrundfahrt, auch in einem Motorboot eine Fahrt über die große innere Botafogo-Bucht und die noch größere Guanaboro Bucht, einer der größten und besten Naturhäfen der Welt, die mit modernen Kaianlagen auch für größere Überseeschiffe nutzbar ist.