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---BI.--- in Ägypten

Im März 1987 buchte ich einen Hin- und Rückflug von Nürnberg nach Kairo, zehn Tage lang ein wenig Ägypten anzusehen. Vorher hatte ich versucht, aus allen möglichen Quellen mich über die dortigen Lebens- und Verkehrsverhältnisse schlau zu machen.
Ich bestellte kein Mietauto zum Flughafen, nahm dafür feste Wanderschuhe, Sommerkleidung und Tornister mit leichtem Schlafsack, ein Miniwörterbuch Englisch-Arabisch sowie Wanderstab und 300 zahlungskräftige Deutsche Mark in meinem Brustbeutel mit.
Vom Flughafen, nachdem ich den ersten Hundertmarkschein in ägyptische Pfund umgetauscht hatte, fuhr ich mit dem Bus zum Hauptbahnhof.
Dort erkundigte ich mich bei der Information auf Englisch nach der Fahrkarte Kairo-Assuan,Holz-Klasse.
Daraufhin sprach mich ein junger Ägypter, Beruf Englischlehrer, an und wir haben uns lange auf Englisch unterhalten.
Er gehörte zu den knapp 2 Millionen koptischen Christen in Ägypten und wohnte mit seiner Familie in Al-Minya, einer Stadt am Nil, über 200 km südlich von Kairo. Er gab mir seine Adresse und bat mich, ihn und seine Familie auf jeden Fall bei meiner Durchreise zum Assuan-Damm besuchen zu kommen.--

--GK.
Die Kopten sind die christlichen Nachfahren der alten Ägypter, aber ihre Religion wurde in den letzten Jahrhunderten immer stärker durch den Islam verdrängt, ebenso wie die koptische Sprache durch die arabische. Ursache dieser religiösen Kultur-Verdrängung in der Bevölkerung ist wohl die noch viel stärkere männliche Dominanz im Islam im Vergleich zum Christentum vor allem in der Familie, und die strengere religiöse Disziplin in den moslemischen Moscheen.
Und nicht nur durch das Keuschheitsgelübde (Zölibat) katholischer Priester und Mönche, sondern vor allem durch die rigorose männliche Familien-Hierarchie des Islam ohne Keuschheitsgelübde und Eheverbot für die Imame, wächst die Bevölkerung in arabisch-moslemischen Ländern um ein Mehrfaches schneller als in wohlhabenden säkulären, religiös weltoffenen Staaten bzw. Regionen.
Dank moderner Hygiene und medizinischer Betreuung auch in den ärmeren Ländern der subtropischen Zonen in Nordafrika und Südasien wird das überproportionale Bevölkerungswachstum in diesen Ländern noch begünstigt. Und diese Millionen junger Menschen für die keine industrielle Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden sind und auch nicht geschaffen werden können, lassen eine globale Arbeitsplatz- und Ernährungskrise für zu viele Menschen auf einer zu kleinen Erde erahnen. Hoffentlich finden kluge Menschen auf dieser Erde eine friedliche Lösung für dieses Problem.---

--BI.---.
Nach dem Gespräch mit meinem koptischen Freund fuhr ich auf sein Anraten vom Bahnhof mit dem Bus hinüber aufs linke Nil-Ufer nach Giseh zum Sphinx und den Pyramiden. Dort wanderte ich stundenlang zwischen den gewaltigen Steinbauten herum und besonders beeindruckte mich die aus Stein gemeißelte Löwenfigur.
Ich übernachtete in einer der vielen billigen Schlafsaal-Herbergen in Ägypten, gleich in der Nähe der Pyramiden und fuhr am nächsten Morgen mit dem Bus zurück zum Hauptbahnhof in Kairo. Dort kaufte ich mir die Hin- und Rückfahrkarte für die 1000 Kilometer lange Bahnreise von Kairo nach Assuan.
Dann fuhr ich mit dem nächsten Zug nach Al-Minya, um die koptische Familie dort zu besuchen, die in einem großen Wohnhaus mit Kindern und Eltern zusammen wohnte.
Obwohl die meisten nur wenig Englisch konnten, wurde ich sehr freundlich aufgenommen, zum Essen eingeladen, danach zur Abendandacht in ihrer koptischen Kirche und dann zeigte mir meinen Englischlehrerfreund noch einige Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Ein Auto hatten sie nicht und damals war der Autoverkehr in Ägypten wohl noch bedeutend geringer als heute.
Ich durfte in einem kleinen Gästezimmer im Hause schlafen und nach dem Frühstück am nächsten Morgen wurde ich zum Bahnhof begleitet und am Zug nach Assuan herzlich verabschiedet.
Auch die lange Bahnfahrt im Niltal bei schönstem Sonnenschein war hochinteressant.
Weniger als 5% des Landes kann landwirtschaftlich genutzt werden, meist im Niltal und Nil-Delta.
Alles andere ist Wüste und unfruchtbares Bergland. So konnte ich vom Zug aus, der etwa 80 km/h Durchschnitts-Geschwindigkeit einhielt, die damalige Landwirtschaft in Ägypten besichtigen, Baumwoll- und Gemüsefelder, Getreide,Mais, Reis, Kartoffeln und Zuckerrohr.-

Der Unterlauf des Nil ist die Lebensader Ägyptens.
Zur Zeit des Pyramiden-Baus war dieser noch in seinem Urzustand.
Als Quellfluss des Nil gilt der Kagera (kleiner Grenzfluss zwischen Uganda und Ruanda), der am Westufer in den Victoria See mündet. Vom Nordufer fließt der Victorianil, der dann im Nordteil Ugandas Albertnil heißt, ab der Sudangrenze Bergnil. Im großen Sumpfgebiet Bahr-el-Sudd verliert er durch Verdunstung in der Sonnenhitze den größten Teil seiner Wassermassen.
Kurz vor der sudanesischen Hauptstadt Khartoum fließt der dann Weißer Nil genannte in den Blauen Nil, der aus dem äthiopischen Hochland den größten Teil der Wassermassen mitbringt.
Da wie fast überall in den Sandwüsten-Gebieten Nordafrikas auch im Niltal Landwirtschaft nur mit Bewässerung möglich ist, war man früher vom jährlichen Hochwasser des Nils von August bis Oktober abhängig.
Seit den ältesten Zeiten teilte man die Felder durch Erdwälle in Becken, in die im Herbst das Flutwasser durch Kanäle geführt wurde.
Durch den mitgeführten und abgelagerten Schlamm wurde der Boden jährlich neu gedünkt.
Nach Ablaufen der Flut konnte die Bestellung erfolgen (Weizen, Gerste,Hirse).
Die Einführung des Baumwolleanbaus 1821 erforderte jedoch eine gleichmäßige Dauerbewässerung das ganze Jahr hindurch, die erst durch die Errichtung künstlicher Staudämme ermöglicht wurde.
Der erste, von Mehmed Ali begonnene Staudamm (Barrage du Nil) bei Kaljub, nördlich von Kairo, wurde 1890 vollendet, weitere folgten u.a. bei Assuan,Assiut,Esna. Durch die 1912 und 1932 erfolgte Erhöhung des 5 km südlich der Stadt Assuan oberhalb des ersten Katarakts errichteten Damms war ein Stausee von 300 km Länge geschaffen worden, in dem das klare Nilwasser für Bewässerungswecke gespeichert wurde.
7 km südlich dieses Dammes wurde auf mit sowjetischer Hilfe von 1959-75 der neue Nasser-Damm gebaut.
Rd. 2000 Ingenieuren und 30.000 Arbeiter schufen den 110 m hohen und 3,5 km langen Hauptdamm.
Durch den neuen 600 Kilometer langen Stausee werden alte ägyptische Denkmäler wie zum Beispiel Abu Simbel überflutet, aber mit Hilfe der UNESCO werden sie in Blöcke zerschnitten und oberhalb der neuen See-Oberfläche wieder aufgebaut.
Durch den Staudamm verlieren auch 60- bis 70.000 Einwohner im von Sudan, die im Niltal wohnen, ihr Eigentum, aber im November 1959 einigten sich Ägypten und der Sudan über eine Entschädigung und die Wasserrechte.
Mit der Hälfte des neu verfügbaren Nilwassers hofft man die landwirtschaftliche Anbaufläche im Niltal um etwa 30% vergrößern zu können. Die andere Hälfte wird für ein Wasserkraftwerk, das jetzt schon zum Teil fertig gestellt ist und Elektrizität erzeugt, genutzt.
Von dem großen Rangier-und Reparatur-Bahnhof in Assuan gingen zwei Gleise bis zur Baustelle des neuen Nasser-Damms mit Personenverkehr.
Ein junger Wanderer aus England erzählte mir, dass etwa 7 km südlich der Baustelle am Ufer des erst zu einem kleinen Teil gefüllten Nasser-Stausees noch ein kleines altägyptisches Denkmal ähnlich dem Abu Simbel zu besichtigen sei.
Also machten wir beide uns bei schönem Wanderwetter auf den Weg, um es uns anzuschauen, bevor es vom steigenden Wasser überflutet wird.
Am Abend erreichten wir dann rechtzeitig vor der Dunkelheit wieder unsere einfache Herberge in Assuan.
Da gerade der Fastenmonat (Ramadan) begonnen hatte, wurden wir von einer großen Sippe, die nach Sonnenuntergang am Straßenrand ihr Fastenmahl einnahm, zum Mitessen eingeladen, was mir in meinen restlichen Tagen in Ägypten der Ramadan noch einige Male bescherte.

Die Rückreise nach Kairo war genauso interessant wie die Hinfahrt.
Die vielen kleinen Ackerstücke fielen mir besonders auf.
In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders, hatte man im Niltal den landwirtschaftlichen Großgrundbesitz in kleine Bauernhöfe von zwei bis drei Morgen aufgeteilt, wohl auch unter Einfluss des sowjetischen Sozialsystems, da Russen beim großen Dammbau und auch sonst bei der Wirtschaftsentwicklung halfen.
Die Kleinbauern erhielten ihre Höfe in Erbpacht, wurden aber angehalten, sich in Kooperativen zusammenzuschließen.-

In Kairo, der größten Metropole Afrikas und der islamisch-arabischen Staaten, verbrachte ich zwei Tage.
Es gab viel zu sehen, Unterkunft und Verpflegung waren billig und fast überall konnte man sich auf englisch verständigen.
Ich wanderte auf der Cornische (Promenade) am Nil entlang, durch die Gassen und Basare der Altstadt, durch das von Kopten geprägte Alt-Kairo, Museen und andere Sehenswürdigkeiten.
Die 1871 mit der glanzvollen Uraufführung von Verdis "Aida" eröffnete Oper und zahlreiche Theater, die Ashar-Moschee und Universität nebst über 500 weiteren Moscheen und damit auch der Konzentration geistigen Lebens kennzeichnen Kairo als kulturellen Mittelpunkt der islamisch-arabischen Welt.
Daneben ist Kairo auch eine wichtige Industrie-, Geschäfts-und Handelsstadt.
Die Bevölkerungsdichte der 7-Millionenstadt übertraf damals schon die europäischer Ballungs-Gebiete, ist aber nach dem Wachstum der letzten Jahrzehnte heute vor allem beim Autoverkehr wohl kaum noch vorstellbar.-
30 km nördlich von Kairo beginnt das Nildelta, das durch zwei Hauptarme des Flusses und viele kleine Verzweigungen sich fächer- artig ins Mittelmeer erstreckt, im Osten bis Port Said, der Hafenstadt am Anfang des Suezkanal.
Am westlichen Meerufer liegt die große Hafenstadt Alexandria, die 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet wurde, und jetzt eine 2-Millionenstadt ist.
Das Delta, bewässertes Agrarland, hat heute auch viele kleinere und größere Industrieorte.
Ich fuhr mit der S-Bahn die knapp 200 km von Kairo nach Alexandria, eine moderne und schnelle Verbindung.
Dort sah ich mir zwei Tage lang vor allem die antiken Hafenanlagen und Bauten an.
Dann fuhr ich mit der S-Bahn zurück nach Kairo, da dort mein Heimflug fällig war.-

1987 machte ich noch meine jährlichen zweiwöchigen Reisen per Auto nach Polen und per Flugzeug (plus Auto) zu meiner Schwester nach USA.---

bi_ mount.st.helens: aufstieg und ausbruch

Zwei Wochen später lernte ich ein etwa 10 Jahre älteres Ehepaar kennen, Bruno und Kathy Holz.
Sie wohnten seit einigen Jahren auf einer Hühner-Farm in einem neugebauten Wohnhaus auf den Wiesen unten im Flusstal.
Sie hatten auf einer großen Farm in Iowa gelebt und als ihre Tochter mit Mann die Farm übernahm, entschlossen sie sich, in den Westen zu ziehen (Go West).
Sie boten mir ein Zimmer in ihrem Haus an, und da ich ein Auto hatte, mietete ich mich gerne bei ihnen ein, zumal ich auch alle Mahlzeiten mit ihnen essen konnte.
Ab und zu half ich auch, die Eier in dem riesigen Hühnerstall einsammeln.

Etwa Mitte Juni an einem schönen Sonntag fuhr ich mit meinem Auto morgens die Straße an dem langen Gebirgs-Fluss bis zu dem See am Fuße des 3000 Meter hohen Vulkangipfels St.Helens und weiter den schmalen Forstweg hinauf bis zur Baumgrenze in über 2000 m Höhe.
Dort ließ ich mein Auto stehen und stapfte die Vulkan
hänge aufwärts bis zu der großen runden Kuppe, die noch mit einer etwa 20 m der WK geht klar Schneeschicht bedeckt war.
Ich hatte feste Schuhe an und einen Bergstock, aber sonst keine " alpine Ausrüstung".
Der Aufstieg war für mich nicht allzu anstrengend, nur ab und zu musste ich auf kleine Felsspalten aufpassen.
Kein Mensch weit und breit zu sehen, dafür eine herrliche Aussicht ringsum und nach Westen bis weit auf den pazifischen Ozean.
Nach einer Stunde Schauen schlitterte ich wieder hang- abwärts zu meinem Auto zurück und fuhr nachhause.
Diesen herrlichen Ausflug werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen.

15 Jahre später war der große Vulkanausbruch, bei dem der größte Teil der Gipfel-Spitze kilometerweit in nordöstlicher Richtung die niedrigeren Waldberge zuschüttelte und dann weiter durch die Druck und Hitzewelle den hohen Baum- bestand umknickte und verbrannte.
Der Berg ist heute nur noch ein hohler Krater aus dem ab und zu Dampf und kleine Eruptionen sprudeln.
Der ausgefranste stehengebliebene Rand ist an der höchsten Stelle 700 m niedriger als der alte Gipfel.
An der Nordostseite des Berges, wohin die Eruptionsmasse geschleudert und auch der Bergsee völlig überschüttet wurde-dieser liegt heute 200 m höher und ist größer und flacher als der alte See-klafft eine große Lücke im Kraterrand.
Dort ist die Lava auch kilometerweit in das alte Flusstal geschwemmt, so das es zum Teil höher liegt und einen anderen Verlauf hat als früher.

Auf einem Berg gegenüber der Lücke wurde ein großes Info-Zentrum gebaut, mit großer Empfangshalle, Aufenthaltsräumen und Toiletten für Touristen sowie Kinosaal und Videos über die Eruption des Vulkans. Natürlich auch gut asphaltierte Zufahrtsstraßen, Parkplätze, Camping-Lager und W.C.s. Auch einen Helikopterservice gibt es, mit dem man in den Krater hinein fliegen und ihn aus der Luft anschauen kann.-