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--BI Der Schulunterricht in Wickersdorf entsprach dem in anderen Oberschulen, natürlich auch mit den Fächern Weltanschauung, und Rassen-Hygiene, wie zur NS-Zeit üblich. Ansonsten wurden wir aber nicht besonders nationalsozialistisch indoktriniert.
Im Sommer 1937 radelte unsere Kameradschaft Licht durch die Pfalz westwärts bis zur Saar und dann flußabwärts immer am Ufer entlang weiter an Mosel und Rhein nach Köln. Das gefiel mir gut, da man mit eigener Kraft ständig neue Landschaften, Dörfer und Städte durchfuhr. Ferien-Zeltlager mochtete ich nicht so sehr und fuhr -wenn möglich- lieber nachhause, zum Beispiel als die H.J. bei Müritz ihr Ostsee-Lager bezog. Mehrmals im Jahr fuhr die Oberstufe auch ins Theater nach Weimar zur „Zauberflöte“, den" Meistersingern“ während der Schiller Festspiele, zur Leistungsschau bei „Tartuffe“ und zu „Cavalleria rustica- na“ und „Bajazzo“. - Der Orts-Gasthof hatte einen großen Festsaal, in dem wir öfter Filme und die Wochenschau sahen. Der Saal diente für die Schulgemeinde auch als Turnhalle z.B. für das Fach „Boxen“, das mich wenig die begeisterte.- Oft gab es auch gemeinsame Feiern der Schülerschaft , zu Hitlers Geburtstag, zum „Tag der nationalen Arbeit“(1.Mai), am 25.
September das Jahresfest der Schulgemeinde mit Flaggenhissung, Morgenfeier, Wettkämpfe um die Schulmeisterschaften, Fußballwettspiel, Kaffeetafel und Siegerehrung, Film „Aus dem Leben der Schulgemeinde“ und Schüler-Theater „Der schreckliche 17.“ Am 3. November werden in feierlicher Schulgemeinde die neuen Schülerehrenhof-Satzungen verkündet. Feier zum 9. November. Am nur 29. November Kleidersammlung für das Winterhilfswerk(WHW) Am ersten und dritten Advent Kaminabend im Esssaal. Am 23.2.1938: Horst-Wessel-Gedenken. 12.März. Gefolgschaftsabend der Betriebsangehörigen.- Wir feiern den Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich. 13. März: Helden gedenken. 18. März Reichstags Rede des Führers 23. März: Dietrich-Eckart-Feier. Die Oster Ferien 1938 werden wegen der Wahl um acht Tage verlängert (Lehrer und Schüler beteiligen sich am Wahlkampf.------ohne mich).
28. März: Versetzungskonferenz.-Kameradschaftsabend des Kollegiums. 25. April: Eröffnung des neuen Schuljahres. Flaggenhissung, Begrüßung der neuen Schüler.
1. Mai: Jugendkundgebung-Führerrede-Maitanz. 7. Mai : Olympia 1936 - Film. 9. Mai: Schüler und Lehrer stellen sich für die Orts Verschönerung zur Verfügung und graben Löcher für die Obstbäume. Wickersdorfer Schüler nahmen oft an sportlichen Wettkämpfen teil und es fanden häufig musikalische Darbietungen und Konzerte statt. 19. September: Sudetendeutschekundgebung. 24. September: Ostasienforscher Stötzner spricht über China und Japan. 26.September: Führerrede. 2. Oktober: Erntedankfest. 3. Oktober: Wir begrüßen 30 Sudetendeutsche Frauen, die in das N.S.V.-Heim kommen. 13. Oktober: Theater- Aufführung von Luserke „ Blut und Liebe“. 16. November: Tag der Hausmusik. Triokonzert der Professoren Reitz, Schulz und Dahlke: Schubert und Beethoven.-( 22. bis 23. November: Der persönlich Beauftragte des Ministerpräsidenten, Herr Oberstudiendirektor Dr. Karge, überprüft die Schulgemeinde.) Diese Tage verbrachte ich für einen kurzen Sonderurlaub zu Hause: ich durfte am 20. November heimfahren, da ich für den 22. November 1938 einen Termin für meine Führerscheinprüfung in Neu Bentschen bekommen hatte. Der Besitzer der einzigen Autowerkstatt in Neu Bentschen, Herr Bernicker, war zugleich Fahrlehrer und nachdem ich schon einige Fahrstunden in den Ferien beim ihm absolviert hatte, konnte ich dort pünktlich mit 17 1/2 Jahren meinen Führerschein machen. Anschließend fuhr ich mit der Bahn gleich wieder nach Wickersdorf, denn ein eigenes Auto war für mich damals noch ein sehr ferner Traum.---- 26. November: Zahn-Untersuchung. 6. Dezember:Ratatöskr.
Erster bis dritter Advent: Kaminabende. 16. Dezember: Weihnachtsfeier-Weihnachtskantate von Vincent Lübeck. 19. Dezember bis 7. Januar: Weihnachtferien. 29. Dezember: Gründung des Außenkreises der Schulgemeinde Wickersdorf. 10.1.1939: Ingenieur Schmidt, Erfurt, hält einen Vortrag über das Benzol und seine Wirkungsweise. 12. Januar: Bannführer Klüver, Sonthofen, besucht uns mit 42 Lehranwärtern der Adolf Hitler Schulen.-
16. bis 20.1.1939: Schriftliches Abitur. 23. Januar: der Geburtstag des Leiters wird gefeiert.
24. Januar: die Klassen sechs bis acht besichtigen die Kasernen in Saalfeld. Vortrag von Oberstleutnant von Unger. 28. Januar: Schachterbeck-Quartett: Halm, Schumann, Schubert.
30. Januar: Feierstunde. 1. Februar: Turnabitur vor dem Kollegium. 8. bis 9. Februar:
Mündliches Abitur unter dem Vorsitz des persönlichen Beauftragten des thüringischen Ministerpräsidenten, Herrn Oberstudiendirektor Dr. Karge, als Regierungsvertreter.
(Ich mit Latein:---aqua das Wasser und vinum der Wein, scher Dich zum T....., verflixtes L....-----trotzdem: bestanden.!) 10. Februar: Abschiedsfeier für die Abiturienten. Sofort danach Taxi nach Saalfeld und Schnellzug nach Neu Bentschen (über Berlin).

bi_freie schulgemeinde wickersdorf

Am 17.4.1937 fuhr ich mit der Bahn über Berlin nach Saalfeld/Saale, von dort im Bus nach Wickersdorf auf dieThüringer-Wald-Höhe, wo ich Obersekunda und Prima in der Schulgemeinde verbrachte. Ich wurde einen Monat später 16 Jahre alt und lernte, statt im engen Familienkreis in einer Jungens-Gemeinschaft zu leben, was mir nach unserer Freischar-Zeit nicht schwer fiel. Der Komponist und Musik-Lehrer August Halm war von 1906 bis 1910 und von 1920 bis 1929 an der Schulgemeinde tätig bis er im Saalfelder Krankenhaus starb und im Bergwald einen Kilometer hinter den Schulgebäuden an einem Aussichtspunkt ins Schwarza-Tal begraben wurde. Er hat viel zur musikalischen Erziehung in unserer Schule beigetragen. Sein Grab war auch zu meiner Zeit ein häufiges Ziel unserer Waldläufe und Spaziergänge. Unsere Schule war als Ersatz einer öffentlichen Lehranstalt „Anerkannte private Oberschule für Jungen“. Natürlich war die Schulgemeinde schon im nationalsozialistischen Erziehungssystem gleichgeschaltet.
Unsere Lehrer waren parteitreue junge Assessoren und wir Schüler automatisch Hitler-Jugend Mitglieder und mussten bei offiziellen Veranstaltungen Uniform tragen. Ansonsten wurde der Schulbetrieb noch großenteils im Sinne der Gründer weitergeführt und wir konnten unsere Privatkleidung tragen. Zum Aufstehen läutete morgens im Haupthaus-Türmchen die Glocke, Antreten zum Frühsport oder Waldlauf und vor dem Frühstücken hörten wir alle im Musiksaal ein Präludium oder Fuge von Johann Sebastian Bach, auf der Haus-Orgel von unserem Musik-Lehrer gespielt. Alle Schüler waren in Kameradschaften eingeteilt zu etwa 12 bis 14 Jungens, mit einem der Lehrer als Kameradschaftführer, in gleichen Altersgruppen, aber aus unterschiedlichen Schulklassen. Im Eß-Saal hatte jede Kameradschaft ihren eigenen Tisch und auch Freizeitveranstaltungen, z.B. Ausflüge, Wander- oder Radtouren in den Ferien, machten sie zusammen. –
Meine Schulkameraden stammten aus allen Teilen Deutschlands. Die jüngeren waren in Schlafsälen untergebracht. In der Obersekunda hatten wir Zweierzimmer, in der Prima Einzelzimmer. Mein Zimmer-Kamerad Harald Mackh kam aus Marktbreit am Main und wurde „Pater“ genannt. Er war vier Monate älter und einen Kopf größer als ich (wie gewohnt). Da er schon ein Jahr länger in Wickersdorf war, weihte er mich in die Sitten und Gebräuche ein, ebenso wie unser Nachbar Hermann Kastner, mit dem ich mich auch schnell anfreundete. Wir nannten ihn „Don“. Sein Vater war Brauereidirektor in Düsseldorf. Unser Kameradschaftsführer Eugen Licht war Sportlehrer. Richard Raupach und Herbert Nahme aus Görlitz gehörten auch zu unserer Kameradschaft.

--BI.--im Rheinland

Mitte April holten wir noch die 10.-12. Landung Brennholz in meinem Passat Variant (insgesamt also wohl eine kleine Lkw-Fuhre) aus dem Wald.-

Für jeweils zwei bis drei Tage fuhr ich mit meinem Auto zu einer Hauptversammlung, die ich meist mit Besuchen bei Freunden oder Verwandten verband.

Ende April war ich im Rheinland, wo ich eine alte Freundin meiner Mutter besuchte.
Schwester Hedwig lebte als pensionierte Diakonisse im Altersheim Haan bei Düsseldorf. Dort hatte sie ein kleines Apartment und sie trug auch noch die hellblaue Diakonissentracht mit weißgestärktem Kopfhäubchen.
Ich durfte immer in ihrem kleinen Schlafzimmer im frisch bezogenen großen Federbett übernachten, während sie auf dem Sofa im Wohnzimmer schlief.
Sie kochte auch immer ein schmackhaftes Abendessen für uns und danach sahen wir auf ihrem guten Fernseher die Abendnachrichten und dann Eiskunstlaufen.--

Am zweiten Mai, einem Freitag, fuhr ich nach Mainz zum Jahres- Treffen unserer kleinen Wickersdorfer Freundesgruppe, die nur noch aus 5 Mann bestand.
Nach Dom Besuch, Gutenberg Museum, Kupferberg Produktion und anderen Sehenswürdigkeiten, vor allem aber gemütliches Beisammensein beim gemeinsamen Essens, und für mich noch häufiges Fitnesstraining im hoteleigenen Schwimmbad, fuhr jeder am Sonntag abend wieder nachhause.-